
by /Francesca
Franz Ferdinand spielten gestern, am 25.3.09, wieder in Berlin. Für mich war es das dritte Mal, dass ich die Jungs live gesehen habe. Und ganz ehrlich gesagt, war es das schlechteste Konzert der drei. Allerdings war es auch weit davon entfernt ein wirklich schlechtes Konzert zu sein, dazu weiß die Band einfach viel zu sehr, was sie macht. Denn – das muss man einfach mal festhalten – Franz Ferdinand ist eine verdammt geile Liveband. Keine großen Reden mit dem Publikum, die Rock’n'Roll-Posen werden in Maßen eingesetzt, so dass sie ihre Wirkung entfalten können, und die Songs sind live sehr tanzbar.
Trotzdem war es gestern kein überragender Abend. Nun, woran lag es?
Zum einen war es, und das möchte ich nicht unbedingt der Band ankreiden, wieder einmal viel zu laut. Wie eigentlich jedes Mal in der Columbiahalle. Ich weiß nicht warum die Techniker es da nie schaffen einen angenehmen Pegel hinzubekommen. Laut ist ja schön und gut, wegen Rock’n'Roll und so, aber irgendwann hört es halt auch auf lustig zu sein.
Zum anderen fügen sich die neuen Lieder von Franz Ferdinand zwar sehr gut in die Setlist ein, aber kommen live dann doch nicht so gut rüber, wie ich es mir erhofft hatte. Mit den auf CD grandiosen – ich sag enfach mal – Technoeinlagen kann das Publikum nicht so recht etwas anfangen. Es hört sich ziemlich genial an und macht auch Spaß zuzuschauen, wenn die Band dann auf der Bühne loslegt und sich am Keyboard und an den Drums verliert, aber das Publikum wird, nun ja, stehen gelassen. Denn genau das tut es. Statt zu tanzen, steht es. Der Funke will nicht überspringen. Aber vielleicht lag es auch gestern mehr am Publikum, als an der Band. Vielleicht sähe es mit einem elektroaffineren Publikum ganz anders aus. Wer weiß.
Und überhaupt, das Publikum. Sehr seltsame Mischung. Erstaunlich viele kleine, (junge) Mädchen und ältere Menschen. Wobei ältere ziemlich relativ ist. Darunter fasse ich einfach mal alles zusammen was die 35 schon überschritten hat. Obwohl ich sonst fast nur über die meckere: Aber dieses typische Indiepublikum hat mir etwas gefehlt. Die machen einfach die Stimmung.
Den vierten Grund, warum mir das Konzert nicht ganz so gut gefallen hat, wie die vorherigen, muss sich wieder Franz Ferdinand selber anschreiben lassen. Denn es ist zwar ganz toll, wenn man nach fünfzig Minuten erstmal Schluss macht, weil man dann noch ganze vierzig Minuten Zugabe spielen kann. Jedoch wirkt das ganze dann sehr kalkuliert und die Zugabe ist nicht mehr das, was sie sein soll. Nämlich ein Abschluss, den man bringt, weil einem als Künstler selbst das Konzert so gut gefallen hat. Und nicht einfach eine zweite Hälfte des Konzerts, in der man die Hits spielt die man sich dafür aufgehoben hat. Und seit wann wird die Zugabe eigentlich nicht mehr mit “Shopping for Blood” eingeleitet?
Es gab aber auch viel Positives. Die wunderbare Lichtshow zum Beispiel, bei der Videosequenzen auf einen Schirm hinter der Bühne gestrahlt wurden und Neonröhren davor für sehr viel Licht sorgten. Da merkt man doch, dass die Jungs von der Kunstschule kommen. Und auch die obligatorische Drummeinlage, bei der die ganze Band wie besessen aufs Schlagzeug eindrischt, war wieder genial.
Genauso wie Kissogram. Das muss man einfach mal sagen. Eine Spitzenband. Auch und vielleicht gerade live. Da kann man noch viel erwarten, wenn sich Geschichte wiederholt – und das tut sie ja nun mal – sowieso. Ich hoffe, das Kissogram, nachdem sie Vorband für Franz Ferdinand waren, genauso loslegen werden wie the Kills und the Rakes. Ich wünsche es mir.
Fazit: Handwerklich solides Konzert, mit leichten Abstrichen in der B-Note, aber auch viel fantastischen Momenten.
Und der noRm hat Folgendes zu sagen:
Im Groben und Ganzen muss ich Tobi erst einmal zustimmen. Es war zu laut – meine Ohren pfeifen heute noch -, die Setlist war okay – obwohl ich solche Hits wie “Jacqueline” oder “Darts of Pleasure” vermisst habe (aber man kann ja auch nicht einfach nur das erste Album runter spielen, auch wenn es toll gewesen wäre) -, und das Publikum war irgendwie komisch. Je weiter man sich der Bühne näherte, desto kleiner wurde das Publikum. Hat mich dann doch ganz stark Tokyo Hotel erinnert. (Nicht, dass ich die schon mal live erlebt hätte, hab’s nur mal in einer Reportage gesehen). Aber dafür kann ja wie gesagt die Band nichts. Franz Ferdinand ist eindeutig im Mainstream angekommen.
Und dann die Sache mit der Zugabe, die es nicht gab. Ich war wirklich sehr überrascht, als auf einmal die Lichter angingen. Ich dachte erst, dass sei ein schlechter Scherz. Aber eigentlich, kann man das der Band gar nicht ankreiden. Sie haben eineinhalb Stunden gespielt. Punkt. Klar, zehn Minuten Zugabe hätten sicherlich auch nicht geschadet, aber mein Gott. Das Publikum konnte ja auch nicht mehr. Denn das muss man Franz Ferdinand lassen. Das Konzert war abwechslungsreich und kurzweilig. Vielleicht war ich deswegen so enttäuscht darüber, dass es schon so schnell vorbei war.
Was mir an diesem Abend aber trotz der tollen Lichtshow noch gefehlt hat, war das Disco Fever. Zumindest bei den Songs von der neuen Platte hätte man eine richtig krasse Lasershow abziehen können. Ansonsten fand ich die Idee, sich selbst auf die Leinwand zu projizieren und ein paar Videoeffekte drüber zu hauen auch ganz nett.
Alles in Allem war es ein gutes Konzert, auch wenn es nichts wirklich Besonderes war. Franz Ferdinand kann sich ja auch nicht jedes Mal selbst übertreffen und mal so eben das ultimative Etwas aus dem Ärmel schütteln. Andere Bands würden sich freuen, wenn sie mal solch eine Performance hinlegen würden.
Wie auch immer. Ich hatte meinen Spaß.
ein bisschen komisch ist es schon – hab das zwar vor jahren auch mal bei nem ärzte-konzert erlebt (quasi genauso wie hier geschildet) und auch da kams mir eher seltsam vor.
26.03.2009 um 16:55 | antwortenschade, wenn das ganze “zu” professionell wird.
Boah die Lautstärke kotzt mich auch immer inder Columbiahalle an. Wer hat denn das Konzert veranstaltet? Also welcher Radiosender?
26.03.2009 um 18:16 | antworten@Peter: Gar keiner. Zumal die Sender die Konzerte in der Regel auch nicht veranstalten sondern nur präsentieren, sprich Werbung für machen und so. Veranstalter war der Karrera Club.
26.03.2009 um 18:34 | antwortenJo mein ich auch…aber daran kann man schnell ausmachen obs kagge oder gut wird
27.03.2009 um 09:36 | antworten