Kultur

Ich Kanzler!

Es spricht ja durchaus für das ZDF und den öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag, dass nach endlosen Telenovela-Kapiteln und dümmlichen Rentner-Vorabend-Serien, endlich mal etwas gegen die Politikverdrossenheit in Deutschland zu tun.

Erreicht werden soll das mit einer neuen Politainment-Sendung, bei der man seine besten politischen Ideen einsenden kann. Damit möchte man beim ZDF besonders die Jugend wieder für Politik begeistern.

Jetzt könnte Karlchen Kritiker einwenden: “Jugend und ZDF, das ging noch nie gut.” Und tatsächlich, Karlchen hätte schon vor dem Start der Sendung recht damit.

Das Fiasko fängt schon mit dem Titel an: “Ich kann Kanzler!” soll die Sendung heißen und steht dabei ganz in der Tradition von “Wir sind Papst” und “Ich Tarzan – du Jane”. Wer junge Leute zur aktiven und ernsthaften Mitgestaltung der Politik anspornen will, der sollte das vielleicht in ganzen Sätzen tun und nicht mit Bild-Rhetorik.

Aber Namen sind bekanntlich Schall und Rauch, das wirklich schlimme  an der Sendung ist der Moderator. Kein Geringerer (weil geringer gehts nicht) als Ralf Schmitz kaspert sich im Internet schon mal ein und sucht offiziell Bewerber für die Show.

Was will das ZDF denn nun? Die Leute mitreißen, mit guten Ideen, oder noch weiter verblöden, mit Ralf Schmitz?

Schmitz betont im Video-Aufruf allerdings mehrmals, dass man sich wirklich nur mit ernsthaften Ideen bewerben soll. Er kaspert dabei aber so sinnentleert durch die Gegend, dass man sich eigentlich nur verarscht fühlt.

So richtig ans eigene Bein pinkelt sich das ZDF aber mit der künstlichen Altersbegrenzung von 18 bis 35 Jahren. Ich persönlich halte es nämlich für ein Gerücht, dass politische Ideen nur bei Menschen von 18 bis 35 entstehen.

Lirumlarum: Wer mitmachen möchte bei dem Quark hat noch bis zum 27. März zeit sich zu bewerben. Die Live-Sendung, in der die besten Einsendungen vor einer Jury und einem Zuschauer-Voting bewertet werden, wird dann am 19. Juni über die Bildschirme der Nation flimmern. Frei nach dem Motto: Deutschland sucht den Kanzler.

Dem Gewinner der Sendung winkt neben einem “Kanzlergehalt” übrigens ein Praktikum “im Zentrum der Macht”, damit man die neu gefundene Begeisterung für Politik auch gleich wieder verliert.

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8 Kommentare

  1. Boff:

    Ganz ehrlich: Das ist erbärmlich. Mit sowas will man die Politik Verdrossenheit der Jugend bekämpfen? HALLO? Damit fördert man vielleicht die Selbstmordrate, mehr auch nicht… Man sollte denen ein Video schicken, in dem man erklärt, wie man vernünftiges Fernsehen macht…

  2. celle:

    das hauptproblem liegt doch darin, dass es erstmal von vornerein garkeine die “jugend” gibt, jedenfalls nicht was die interessensgebiete derer angeht. es gibt soviele “scenen” und interessengruppen und haste nich gesehen, grad bei den jugendlichen dass es sowieso von vornerein unmöglich ist irgendwas in ein programm zu bauen was dann angeblich “für die jugend” als ganze ist.

    “Jugend und ZDF, das ging noch nie gut.”
    damit ist eigentlich alles gesagt.

    und ralf schmitz… ja was soll man dazu sagen, der is vielleicht mal ganz lustig in kombination mit anderen komikern, aber alleine… nein, danke.

    du hast übrigens noch diese style-sendung mit bruce darnell vergessen, die war auch für “die jugend”/”das nicht-alte publikum” gedacht (ja, genau die, wo sie dann rentner umgestylt haben…).
    Einfach nicht zuende gedacht. Wie gewollt und nicht gekonnt.

  3. buzze:

    @celle: Mit der Jugend-Diskussion machst du natürlich wieder mal ein ganz anderes großes Fass auf celle :)

    Aber wie soll man es sonst schreiben?”Bestimmte gesellschaftliche Szenen, die sich vor allem durch das jugendliche Alter von dem Rest der Bevölkerung abgrenzen” hört sich ja irgendwie scheiße an oder? :D

    Mein Vorschlag: Wie Boff schon sagte eine Sendung entwerfen, die im Privatfernsehen läuft und bei der die Zuschauer Vorschläge zur Verbesserung des ÖR-Programms einreichen können. Moderiert von Bruce Darnell. Passt wie die Faust aufs Auge finde ich, ich sollte zum ZDF gehen…

  4. Boff:

    Vielleicht sollte man da ernsthaft einmal einen Leserbrief an ARD und ZDF schreiben – das lasse ich mir mal durch den Kopf gehen. An den Brief könnte man ja noch eine Unterschriftenaktion anhängen.

  5. buzze:

    Das lustige ist ja, ARD/ZDF haben mit den Rundfunk- bzw. Fernsehrat eine Schnittstelle zwischen Gesellschaft und Programmplanung.

    Der Rat soll ein Querschnitt der Bevölkerung abbilden, wenn man sich die Nasen (z.B hier in Bayern)allerdings ansieht, versteht man auch, warum das bei den ÖR so – ich muss es sagen – beschissen läuft.

  6. celle:

    also ich finde mein einwand läuft komplett im thema, ich seh da ehrlich gesagt kein “neues fass”, dass aufgemacht hätte werden können.
    nur weil ich die politsendung selber nich kommentiert hab?
    bin ich (wie so oft! :D ) dagegen.
    die jugendlichen die sich jetzt für politik interessieren tuen es auch so, und das was man damit erreichen kann ist nur wieder eine von tausend “reality”-shows die angeblich hautnah am durchschnittsbürger sind und lhöchstens noch dem selbem unterhaltungspublikum zu gute fallen wie B.Salesch & Co.

    @buzze: lies nochmal durch meinen kommentar, ich glaub du hast mich nicht so ganz verstanden. es geht nich darum, dieses publikum anders zu bennen: ich sage einfach nur das publikum gibt es garnicht. die unterscheiden sich genauso wie die älteren vor allem nach sozialen gesichtspunkten.
    sage ich :D

  7. Boff:

    Ich versteh immer noch nicht, wieso sie so ein Zeuch überhaupt bringen. In dem Rat sitzen ja doch einige CSUler, aber die Leute von der CSU schauen doch nicht nur “Entertainment-Kacke”, oder irre ich mich da?

    Das sind doch auch Menschen, die müssen doch merken, dass ihr Programm teilweise großer Mist ist.

  8. buzze:

    Wenn Politiker und andere Interessenvertreter zusammenkommen und darüber abstimmen, was denn nun gesellschaftlich relevant sein soll und den öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt, dann kommt nun mal zwangsläufig diese Programm raus – ein Kompromiss halt, mit dem keiner zufrieden sein kann.

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