Kultur

Mando Diao in Berlin


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Gestern, am 09.04.2009, spielten Mando Diao in der Columbiahalle. Ich bin ohne Erwartungen hingefahren und weiß bis heute noch nicht wirklich, was ich zum Konzert sagen soll. Die Massen scheinen aber begeistert gewesen zu sein. Die Stimmung war überschwänglich. Ich allerdings hatte irgendwie ein Problem damit, die Songs mitzugrölen. Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Lag womöglich auch daran, dass Mando Diao eine richtige Mädchenband geworden ist. Überall um mich rum kleine kreischende Mädchen. Nein, so kann und will ich nicht sein. Ich will jetzt nicht konservativ klingen, aber früher war alles besser. Jedenfalls Mando Diao war besser. Oder zumindest das Publikum. Ich will nicht schon wieder damit anfangen, aber ich kann einfach nicht mit dem Strom schwimmen.

Ich kann jedenfalls nicht verstehen, warum das Publikum bei der – für eine Vorband – herausragenden Performance von The View, die mittlerweise genauso gut große Hallen füllen könnten, nur blöd rumgestanden hat. Also entweder war das Publikum sowas von eingenommen von Mando Diao oder die hatten einfach keinen Musikgeschmack. Was ja eigentlich dasselbe ist. Ich fand den Auftritt von The View jedenfalls gut. Die Songs waren sehr dynamisch und kurzweilig. Und die haben mindestens doppelt so dolle gerockt wie die Mainband. Nur das sich halt kaum einer drauf eingelassen hat. So kam es mir vor. Mit ihrem zweiten Album haben mir die Briten außerdem Mut gemacht, dass sie nicht so im Mainstreamsumpf enden werden wie Mando Diao.

Dann habe ich noch einen bezeichnendes Zitat aus einem Fan-Forum für euch, dass nochmal verdeutlichen soll, was für eine Klientel da war.

so, ich war erste reihe, diesmal nicht rechts, weil es eine richtig fette unfaire behandlung gab, ich stand direkt vor cj.

Das ist echt wie bei Tokyo Hotel. Da wird anscheinend schon vorher entschieden, wer in die erste Reihe darf und wer nicht. Ich hab ja nichts gegen Demokratie, aber es gibt immer noch ein Recht auf freie Platzwahl. Und wer zuerst kommt, malt zuerst. Und weggegangen, Platz vergangen.

So. Genug über Publikum und Vorband gelabert. Kommen wir nun zum Auftritt von Mando Diao. Die Setlist war gut, weil auch viele alte Sachen gespielt wurden. So ging beim ersten Song „Sheepdog“ schon ordentlich die Post ab, wie ich immer so schön zu sagen pflege. Auch „The Band“ wurde recht früh gespielt. Je später der Abend, desto neuer die Songs, desto komischer das Gefühl in der Magengegend. Von mir aus hätten die Schweden einfach nur ihr Debüt spielen können und ich wäre zufrieden gewesen. Nicht mal „Motown Blood“ haben sie gespielt.

Zwischendurch gab’s dann eine kleine Umbaupause. Währenddessen haben die beiden Frontmänner Björn und Gustav drei ruhige Lieder gespielt. „Lauren’s Cathedral „, „Ochrasy“ und „The New Boy“ glaub ich. Bei „Ochrasy“ wollte ich irgendwie immer „Hallelujah“ anstimmen. Nach der Pause wurden dann die neueren Songs gespielt. Ich weiß bis heute nicht, was an „Gloria“ so toll ist. Die Mädchen – und merkwürdigerweise auch die Jungen – konnten sich aber nicht mehr halten als Gustav das Lied mit einer kleinen Geschichte von ihrem ersten Auftritt in Berlin ankündigte. Dann irgendwann war kurz Schluss.

Und dann gab es zwei Zugaben, in denen die ganzen Hits rausgeholt wurden: „Dance with somebody“, „Long before Rock’n’Roll“ and last but not least „Dancing Queen“ von ABBA, wo selbst einige Zuhörer The View nochmal ans Mikro durften. Das fand selbst ich gar nicht mal so übel, auch wenn ich mich da schon Richtung Ausgang begeben habe. Zum Schluss gab’s noch stehende Ovationen und Danksagungen an alle Bandmitglieder, den Backgroundsängerinnen, den Trompeter und The View, die auch noch mal auf die Bühne kommen durften. Wie im Theater wurde sich brav vor dem Publikum verneigt. Friede, Freude, Eierkuchen.

Der Auftritt insgesamt war wirklich nicht schlecht, auch wenn die Songs nicht immer mein Geschmack waren. Mando Diao sind schon richtig coole Schweine, die mit ihrem Publikum spielen können und es sogar verarscht, wie es mir vorkam. Vielleicht wollten sie dem Pöbel damit mal zeigen, was richtiger Rock’n’Roll ist. Der kleine Flashmob bei „Sheepdog“ -  mittlerweile schon eine klassische Nummer – ist beispielsweise schon recht lustig mit anzusehen. Auch sonst haben es die Schweden in Sachen Dynamik und Tempo schon ordentlich drauf.

Fazit: Mando Diao ist schon eine tolle Liveband. Nur schade, dass sie den Ruhm und die minderjährigen Groupies wohl so schnell nicht mehr loswerden. Den Groupies wird das Konzert gefallen haben. Wie immer.

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5 Kommentare

  1. Tobias K.:

    Gott sei Dank bin ich nich mitgegangen.
    Nichtmal “Motown Blood”, das einzig wirklich gute Lied von denen, gespielt? Wo kommen wir denn dahin.

  2. c-dog:

    ohh ja du hast vollkommen recht…. leider

  3. Felix:

    Und haste wenigstens eins von den kleinen kreischenden Mädchen angesprochen? Zu so nen Mainstreamkonzerten geht mensch, wenn überhaupt, nur wenn er ne Freundin finden will. :-)

  4. celle:

    sorry, das ich mal wiederr komplett weit ab vom thema schreiber; aber:

    warum steht hier nirgendswo, das endlich ne demo auf eurer myspace-seite zu hören ist? ;)
    und das schon seit 2 wochen, tz tz!

    arg verrauscht, aber ich nehm mal an, das muss bei newcomern so sein :)

  5. Tobias K.:

    Das wurde mal ganz hip über Twitter erwähnt.

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