Es geht die Angst um hier im Blog, wenn es darum geht, über ein heikles Thema zu berichten – die Musik. Warum es so heikel ist, darüber zu reden, ist ein soziologisches Problem, das tief in unserer Kindheit verankert zu sein scheint.
Es gibt kaum vergleichbare Themen, die so tabuisiert werden, wie die Zu- oder Abneigung zu bestimmten Bands oder Künstlern. Geschmäcker dürfen so ziemlich überall verschieden sein, aber bei der Musik hört der Spaß auf. Und wer erträgt schon die abwertenden Blicke und abfälligen Kommentare über die eigene Verehrung von Blümchen oder The Thermals?
Schuld an dieser Miesere sind Menschen, mit einem ganz bestimmten psychologischen Profil, dass ich jetzt mal als CBG-Syndrom bezeichne. Die Abkürzung steht dabei für comic book guy, benannt also nach dem bekannten brutal sarkastischen und versnobten Comicheft-Verkäufer aus den Simpsons.
Menschen, die am CBG-Syndrom leiden, halten sich für gottgleich auf ihren Spezialgebieten, die den meisten Menschen als völlig nebensächlich erscheinen. Das CBG tritt demnach sehr häufig bei Nerds auf, die beispielsweise Stammbäume von Comic-Enten entwerfen, Filmfehler zählen, Blogs schreiben oder eben Musik hören.
Im Musikbereich ist der klassische CBG-Leidende der Plattenladenbesitzer, der in seiner dunklen Höhle aus Platten, Kassetten und CDs sitzt und alle seine Kunden mit verächtlichen Blicken straft, die es wagen seine heiligen Hallen zu betreten und sogar nach völlig bescheuerten Bands fragen. Eine wunderbare Beschreibung dieser Musik-Autisten liefert Nick Hornby in seinem lesenswerten Buch High Fidelity (wer nicht lesen kann/will, es gibt auch einen sehr guten Film).
Obwohl Plattenläden in Deutschland so langsam den Kaufhäusern und Mediamärkten weichen, verschwindet der Musik-CBG einfach nicht von der Bildfläche. Sie verlagern ihre ätzenden Kommentare einfach ins Internet, da, wo jeder ihre geheiligten Worte nachlesen kann. Wie auf Steintafeln gemeißelt künden sie von unerträglicher Arroganz und komplett fehlender Wertschätzung anderer Meinungen. “Geschmäcker sind verschieden?! Nein, er kann nur falsch oder meiner sein.”
Ein gutes Beispiel wie sich CBG äußert, findet man hier beim Blogbeitrag von Johannes, der nicht nur wegen seines persönlichen Eindrucks von einem Oasis-Konzert kritisiert wird, auch sein noch jugendliches Alter wird Zielscheibe des Spottes.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass CBG-Leidende eigentlich immer Männer Mitte 30 sind, das Leiden unterscheidet sich also sehr stark von jugendlichem Fanatismus, wie er im Pokemon und Boygroup-Lager zu finden ist. Dieser Fanatismus äußert sich eher in der völligen Ausblendung und Verneinung von Kritik am Verehrungsobjekt (Beispiel hier).
Die Aussicht auf CBG-Kommentare hier im Blog verängstigt unsere Musik-affinen Autoren hier im Blog im großen Maße. Unsere sensiblen Künstler fürchten einen bleibenden psychischen Schaden, nehme ich an. Deshalb liegt, trotz großer Kompetenz unserer Autoren, die Musik-Rubrik unseres Blogs noch ziemlich brach. Ich hoffe nun, dass hier einige motivierende und aufbauende Kommentare erscheinen, die unsere Musikredaktion endlich zur Arbeit bewegen.
Vielen Dank.
Starker Artikel. Inhaltlich stimme ich komplett zu, kann diese Leute auch nicht leiden (und wurde ja selbst Opfer solcher Gestalten, siehe Text [Danke für die Verlinkung.]).
15.02.2009 um 19:07 | antwortenIch finde auch, dass es eine Sache ist, einen Geschmack nicht zu teilen, aber eine ganz andere, die Geschmäcker anderer zu verurteilen. Wenn ich Peter Fox nicht mag, dann schreibe ich eben “Ich mag Peter Fox nicht, weil…” und nicht “Peter Fox ist kacke, du hörst ihn, also bist du hirntod, du Spack!”… Sowas heißt man dann Intoleranz (oder einfach dumm).
15.02.2009 um 19:34 | antwortenHetzt mich nich… ich arbeite ja an “meiner” Rubirk.
Allerdings hab ich eher das Problem, dass ich gar kein Feedback kriege, wenn ich mal was schreibe. Ich würd mich sogar über deine CBG-Typen freuen.
15.02.2009 um 19:35 | antwortenFeedback ist überbewertet
What you deserve is what you get!
15.02.2009 um 20:28 | antwortenwillkommen in unserer welt tobi, bin ja mittlerweile schon endglücklich wenn sich wenigstens die alten hasen mal bei mir melden (auch wenn ich natürlich weiß, das ich lange nicht so interessante sachen schreib wie ihr)
btw. du hast dich bei mir glaub ich noch nie schriftlich bemerkbar gemacht, oder?
15.02.2009 um 21:21 | antwortenps: eigentlich will ich auch garnich so wie bei euch. schön im kleinen kriese lesbar, will garnich das allewelt anonyme spacken bei mir lesen
15.02.2009 um 21:31 | antworten@Peter: “Feedback ist überbewertet”
Oha! Den Spruch muss ich mir auf ein T-shirt drucken oder so – das is ja noch besser als “Freundschaft ist überbewertet”
15.02.2009 um 22:10 | antwortenKriegst den goldenen Spruchpreis DingsBumsBären von mir – den vergebe ich nur einmal in meinem ganzen Leben
Gerne nehm ich den Preis entgegen. All das wäre ohne meiner Mutti und Gott nich möglich gewesen, deshalb gehört der größte Anteil ihnen.*schluchz* *flenn* *trollig guck* Danke
15.02.2009 um 22:14 | antworten