
by gynti_46
Die Welt könnte so schön sein, wenn man Wahlversprechen glauben schenken könnte. Dann hätten wir überall blühende Landschaften und alle vier Jahre deutliche Steuerentlastungen. Leider ist das Leben nicht so in unserer tollen Republik. Da gibt es zwar “mehr” Geld für Familien bzw. Steuerentlastungen für selbige, aber dafür wird dann halt kräftig im Kulturbereich gespart oder Gebühren erhöht – das Prinzip linke Tasche, rechte Tasche eben.
Wenn man dann von den neusten Plänen der lustigen Ministerpräsidenten geht, dann dürfen wir uns nicht über mehr geschlossene Schwimmbäder, Bibliotheken und Theater freuen, sondern bald sehr viel mehr Geld für sinnloses Gedudel und überbezahlte Moderatoren bezahlen. Die Rundfunkgebühr (in BILD-Deutsch: GEZ-Gebühr) soll nämlich reformiert werden und wie immer heißt “reformieren” im Falle des öffentlich rechtlichen Rundfunks eigentlich “erhöht”.
Ein Modell, das im Gespräch ist, sieht eine Abkehr von der modifizierten Geräteabgabe vor. Bisher “durften” wir ja für PC und Radio deutlich weniger bezahlen als für ein Fernsehgerät, statt der vollen 18 Euro waren es nur 5,76 Euro. Für Menschen, die ganz bewusst aufs Fernsehen verzichten eine einigermaßen nachvollziehbare Alternative. Genau die soll aber nach dem geplanten Modell komplett entfallen, ab 2013 sollen doch bitte alle 17 Euro bezahlen, die ein Gerät zum Rundfunkempfang haben. Vom Fernseher bis zum internetfähigen Smartphone – und das nicht nur einmal, sondern wie bisher für Geschäfts- und Privatgeräte gleichermaßen. Was noch besser ist, ganz Stasi-like liegt die Beweisführungspflicht, welches Gerät vorliegt nicht mehr bei der GEZ, sondern beim Bürger. Wie heißt es so schön, man geht so lange von der Schuld aus, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Da brechen jetzt nicht nur TV-Verweigerer in Jubelstürme aus, auch Betriebe mit sehr vielen Arbeits-Rechnern dürften sich über die zusätzlichen Ausgaben freuen. Wer unterstützt nicht gern CDU-eigene Rundfunkanstalten?
Da wir aber eine Tigerenten-Koalition haben, dürfte das zweite Modell, dass von den Ministern diskutiert wird, wird den lustigen Liberalen viel besser gefallen. Das sieht nämlich eine Haushaltsabgabe vor, ganz unabhängig, ob man überhaupt ein Rundfunkgerät besitzt. Da würden dann wenigstens die armen, armen Unternehmen von Abgaben befreit werden. Die ganzen über 7 Milliarden Euro, die jährlich an Rundfunkgebühren eingenommen wird, würde damit komplett der Steuerzahler übernehmen. Viel weniger als 17 Euro monatlicher Gebühr würden am Ende dieser Rechnung auch nicht stehen.
Egal also, für welches System sich die Minister entscheiden, es wird für viele teurer, sehr viel teurer sogar. Wenn aber ein PC oder gar ein Smartphone als voller Rundfunkempfänger gelten soll, dann müssen sich die Rundfunkanstalten aber noch mehr als anstrengen. Die ZDF Mediathek oder die von arte, sind zwei gute Beispiele, wie so was aussehen kann. Allerdings dann bitte ohne die 7-Tage-Beschränkung für Sendungen und echten kostenlosen Live-Streams des Programms, nicht über Zattoo oder ähnlichen Konsorten. ZDFneo wäre mit einem eigenen Internetstream z. B. wohl eher ein Erfolg, als mit der bisherigen Vorgehensweise, die da heißt: Programm unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Vielleicht wird’s aber endlich mal Zeit diese ganzen lächerlich aufgeblasenen Rundfunkriesen zurechtzustutzen. Die Verbindung von völlig überteuerten Möchtegern-Moderatoren in teuren Wischiwaschi-Shows und dem “Grundversorgungsauftrag” ist sicherlich nicht nur mir entgangen. Vielleicht sollte man sich mal auf die Kernkompetenzen besinnen, wozu haben ARD und ZDF ein gewaltiges Korrespondentennetz, wenn die sowieso nur für wenige Minuten in der Woche gebraucht werden. Wo sind denn die Hintergrundberichte und Analysen aus dem Ausland? Im hinterletzten Nachtprogramm natürlich oder auf ZDFneo vielleicht? Ich weiß es nicht, man empfängt es ja fast nirgends.
Warum werden teure Filme eingekauft und dann ebenfalls erst spät im Nachtprogramm gesendet? Warum laufen nur noch irgendwelche Schmonzetten, Volksmusiksendungen oder bescheuerte Quizshows mit Moderatoren, die nicht mal meine Mutter kennt? Kommt mir nicht mit Rentnern, selbst die fühlen sich doch langsam veralbert. Da zitiere ich doch gern die Großmutter meiner Freundin: “Dieser Florian Silbereisen, der ist doch bescheuert” – und das von einem treuen Volksmusik-Zuschauer!
Das Problem ist: Selbst bei den öffentlich Rechtlichen regiert inzwischen die Quote, was zwar im totalen Widerspruch zu ihrem Auftrag steht, aber wer würde im behaglichen 7-Milliarden-Nest denn groß etwas riskieren? So lange Roland Koch zufrieden ist, scheint ja alles glattzugehen. Die Minister werden ein Teufel tun am grundlegenden System etwas zu ändern, schließlich heißt es in der Politik ja: Wer nichts wird, geht zum Rundfunk in die Aufsichtsräte und hat da eine entspannte Zeit bis zur Rente.
Auch hier wird sich also nichts tun, solange die Bürger brav ihren öffentlich rechtlichen Solidaritätszuschlag zahlen. Wenn sich keiner rührt, wird die Devise von ARD und ZDF weiterhin sein: Wir machen aus ihrem Geld gequirlte Scheiße!
Erst die Aktion mit Brender und nun das, die Schwarzen spinnen doch!
07.12.2009 um 14:47 | antwortenUh… schwieriges Thema.
Fakt ist, dass die die Rundfunkgebühren in ihrer jetzigen Form geändert werden müssen. In in welcher Art und Weise ist natürlich diskussionswürdig.
Mein Favorit wäre ja eine Pauschale in Form einer Kopfsteuer, was diesen GEZ-Haufen obsolet und die Verwaltung übersichtlicher machen würde. Es wäre egal mit welchen und wie vielen Geräten man empfängt und wie man konsumiert.
07.12.2009 um 20:08 | antwortenNatürlich würden Menschen, die auf öffentlich-rechtliche Angeboten verzichten wollen, benachteiligt, jedoch halte ich solche Leute für komplette Idioten. Man kann mir nicht erzählen kann, man sei nicht an unabhängigen Medien und bildenden Inhalten interessiert.
Um solch ein Modell sinnvoll zu machen, muss sich selbstverständlich auch etwas am Angebot der Anstallten ändern. Wenn ich mir anschaue für welchen Scheiß bei Wetten dass..? Geld ausgeben wird (angefangen beim Moderator) wird mir schlecht.
Generell sollten die öffentlich-rechtlichen öfter mal zur BBC schauen und sich dort mal das ein oder andere auch abschauen.
werden durch die rundfunkgebühren eigentlich auch dinge wie 27 millionen euro teure, neue studios finanziert, oder kommt das geld von woanders?
07.12.2009 um 21:56 | antworten@pitchi: Das Geld kommt bestimmt aus dem Soldiaritätszuschlag
30 Millionen für das neue ZDF-Studio sind schon gut angelegt, manchmal muss man halt was Neues bauen und bei 7 Milliarden Einnahmen sind 30 Millionen ja nun nicht soooo viel
07.12.2009 um 22:09 | antworten