Kultur, Netz

Twitter – der Film

Twittamentary

Gleich zur Entwarnung vorneweg: Das reiht sich jetzt nicht in die seltsamen Anwandlungen Hollywoods ein, angesagte Internetthemen in höchstwahrscheinlich dümmliche Filme zu packen, wie ich das beim Facebook- und WoW-Film erwarte.

Twittamentary soll, wie der Name schon anklingen lässt, eine Dokumentation sein und die will ganz neue Wege gehen. Ganz plakativ gesagt: Twittamentary ist eine Doku2.0 – von, mit und für die Internetgemeinde. Die Idee dahinter ist eigentlich recht einfach, schließlich ist Twitter für viele inzwischen ein integraler Bestandteil des täglichen Lebens geworden.

Tagtäglich werden in 140 Zeilen Belanglosigkeiten, Beschimpfungen, aber auch interessante Kommentare, Ideen, Gefühle und Ansichten gezwitschert. Manchmal entwickeln sich aus diesen wenigen Zeichen kleine Geschichten um Menschen, die einen im besten Fall berühren oder zumindest unterhalten. Auf der Webseite heißt es dazu:

We have heard stories of how Twitter users mourn the death of a cancer patient whom they have never met in real life before, how strangers reach out to give help in times of calamity or emergency, how people come together to organize fun and wacky events for charity.

Die Filmemacher sammeln also ab sofort Vorschläge für Geschichten, wie Twitter das Leben seiner Nutzer in entscheidenden Momenten verändert, bereichert oder vielleicht sogar zerstört hat. Die Vorschläge können in Form von Bildern, Texten, Filme und Audiodateien eingereicht werden. Wenn ihr also eure Freundin über Twitter kennengelernt oder euren lange verschollenen Bruder dank seiner Tweets wiedergefunden habt, dann seid ihr hier genau richtig.

All die gesammelten Filme (bzw. eine qualitative Auswahl davon) werden dann in einem 24 Hour Story Telling Event Anfang September der Internetgemeinde vor- und zur Bewertung bereitgestellt. Vor allem soll darüber natürlich wieder getwittert werden und das eben rund um die Uhr und ein Mal rund um die Welt.

Die Dokumentarfilmerin Tan Siok Siok, die ich in Peking auch kennenlernen durfte, wird dieses Projekt begleiten und am Ende hoffentlich einen spannenden und sehenswerten Film daraus machen. Der wird dann übrigens kostenlos und unter der CC-Lizenz der Internetgemeinde zur Verfügung gestellt.

Das alles hört sich wahnsinnig ambitioniert an und ist es in meinen Augen auch. Besonders die Idee, dass User ihre Geschichten selbst in Szenen setzen sollen und das auch in ansprechender Qualität, wird sicherlich der größte Knackpunkt sein. An Geschichten wird es hingegen nicht mangeln, auch wenn sie manchmal schwer zu finden sein dürfte, in Twitter wird es genug zu erzählen geben.

Ich bin wirklich gespannt, was aus dem Projekt wird und hoffe auf rege Teilnahme, auch aus Deutschland. Dass Siok gute Dokumentarfilme aus “kleinen” Geschichten machen kann, hat sie in meinen Augen schon in Boomtown Beijing bewiesen. Wenn das ansatzweise auch in Twittamentary funktioniert, dann wird das ein richtig toller Film.

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