Leben

Auszeichnungshoheit?

Ich weiß ja, dass wir Deutschen auf Festland-Europa sicherlich die amerikanisierteste Nation sind, auch wenn es ein ziemlich ambivalentes Verhältnis ist und wir uns gern über die “dummen Amis” aufregen.

Trotzdem lieben wir im Grunde unseres Herzens alles, was aus den USA kommt. Seien es die tollen Hollywoodfilme, die in unseren Kinos fast immer erfolgreicher sind, als deutsche Filme oder die unzähligen US-Serien, die trotz ähnlich dämlicher Stereotype besser Quoten einfahren, als ihre deutschen Pendants. Die Liste lässt sich ohne weiters verlängern, vom coolen Szene-Slang, über Klamotten und bis hin zu bekannten “Change”-Politikern, alles wollen wir hier in Deutschland auch haben.

Und obwohl ich Hollywoodfilme auch gut finde und die ein oder andere amerikanische Band sogar auf meinem iPod habe, nervt mich die übermäßig aufgebauschte Berichterstattung zu so typisch amerikanischen Spaßveranstaltungen, wie die Grammy- oder gar die Oscar-Verleihung. Von wegen wichtigster Musik-/Filmpreis der Welt. Genau genommen sind die beiden Preise ja eine amerikanische Verleihung, bei der eben hauptsächlich Amerikaner ausgezeichnet werden.

Clever, wie die Amis allerdings sind, haben sie einfach mal ein paar Sonderpreise etabliert, die es auch Ausländern ermöglicht Preise abzustauben. Gut rein theoretisch kann ein Grammy jeder gewinnen, der in den USA ordentlich Eindruck hinterlassen hat, bei den Oscars ist das allerdings etwas schwerer.

Gleich bleibt bei beiden Auszeichnungen, dass eine amerikanische Akademie entscheidet, wer nun der tollste Künstler der Welt sein soll – mmmh, irgendwie blöd. Nicht, dass ich die Preise komplett ablehne, aber ihr dominierende Stellung mag ich so nicht unterstreichen.

So gesehen gehen mir Musikpreise eh am Arsch vorbei, die MTV Music Awards sind ja ähnlich bescheuert wie die Grammys. Bei den Filmpreisen allerdings hat der Acadamy Award für mich seine Ernsthaftigkeit spätestens 1999 mit der Auszeichnung von “Shakespeare in Love” als bester Film verspielt.

Ich schau mir besonders bei den Filmpreisen seitdem lieber die guten alten nationalen bzw. internationalen Filmpreise an, wie z.B. die Berlinale, die Filmfestspiele in Cannes oder Venedig, der Golden Rooster in China und, und, und. Auf diese Weise kann man wohl eher einschätzen, was nun eigentlich wirklich an guten Filmen/Musik so rumschwirrt.

Natürlich ist das eine etwas aufwendigere Methode, als einfach die Oscars/Grammys anzugucken. Diese Shows kann man sich ja gerne reinziehen, sie sind ja ganz unterhaltsam, aber man sollte sich ab und an mal in Erinnerung rufen, dass es da noch andere, vielleicht wichtigere Preise gibt.

Aber gut, hier in Deutschland haben wir ja kein Musik- und Filmbusiness oder? :)

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3 Kommentare

  1. Peter:

    Verleihungen sind nie unterhaltsam. Da heulen doch nur Leute rum, die ihre Mutti und Gott danken. Ich sehe die bepreisten Filme danach sowieso als scheiße an. Ja, so bin ich!

  2. Boff:

    Ich hab nie irgendeine Ahnung, was für ein Film wieso was für einen Preis abgestaubt hat; um ehrlich zu sein ist es mir auch wurscht. In den letzten Jahren gab es zwar durchaus ein paar verdiente Preisvergaben, aber oft kriegt eben doch jeder Scheißhaufen nen Preis…wenn ihr versteht, was ich meine.

  3. buzze:

    Na um die Preise gehts irgenwie auch gar nicht, aber dank verschiedener Festivals wird man doch sehr häufig auf gute Filme aufmerksam gemacht. Beispielsweise wäre ich ohne Cannes nicht auf Die Klasse von Laurent Cantet aufmerksam geworden :)

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