Gestern Abend gab es nur ein Thema, welches Fußballdeutschland endlich mal wieder vereint vor den Fehrnseher trieb: das Bundesligaspitzenspiel zwischen den FC Bayern München und TSG 1899 Hoffenheim. Wir nahmen das Spiel aus vier Blickwinkeln unter die Lupe. Ring frei für Drei Städte – Vier Meinungen zum Thema “Bayern gegen Hoffenheim”.
Wilkommen in der Bundesliga, Hoffenheim
Wünsdorf. Von keinem Spiel der laufenden Bundesliga-Saison wurde so viel erwartet wie beim gestrigen zwischen Bayern und Hoffenheim. Nicht umsonst wurde das Spiel in 168 Ländern übertragen. Und tatsächlich präsentierte sich die Bundesliga gestern ausnahmsweise mal von ihrer Schokoladenseite.
Das Spiel begann sofort furios. Die Hoffenheimer spielten so als seien sie auf Speed und ließen die Bayern teilweise wie alte Bauern aussehen. Gegen die pressenden Hoffenheimer, konnten sich die Bayern nur mit langen Bällen helfen. In Riberys Gesicht zeichnete sich erste Verzweiflung ab.
In der zweiten Hälfte dann das verdiente 1:0 für Hoffenheim durch Ibisevic, den Toni 2.0. Danach schien Hoffenheim die Puste auszugehen. Erst der Ausgleich durch ein typisches Lahm-Tor und dann in letzter Minute der Todesstoß durch Luca Toni, der nach dem Tor einen auf Robert Steinhäuser machte.
Doch Hoffenheim brauch nicht traurig sein. Erstens stehen sie noch auf Platz 1 und zweitens sind sie nun um eine wichtige Erfahrung reicher: Den größten Dusel hat immer der FC Bayern.
Willkommen in der Bundesliga, Hoffenheim.
Der Fußballwahn ist eine Krankheit, aber selten, Gott sei Dank!
Augsburg.”Der Fußballwahn ist eine Krankheit, aber selten, Gott sei Dank!” dichtete Joachim Ringelnatz einst und irgendwie musste ich an diese Worte denken, als ich durch die kalt-nassen Straßen von Augsburg zog, um eine Kneipe zu finden. Genauer: eine Kneipe, die das Fußballgipfeltreffen Bayern-Hoffenheim übertrug.
Das Problem an diesem Abend war, dass nicht nur ich und mein Kumpel die irrige Idee hatten das Spiel zu sehen. Drei Viertel der Augsburger Männer schien genau das auch im Sinn zu haben – wirklich alle Sportkneipen, die wir aufsuchten, waren bereits eine Stunde (!!) vor dem Spiel völlig überfüllt.
Das Spiel drohte bereits ohne uns anzufangen, als wir doch noch eine nicht ganz so volle Kneipe fanden, ein paar Hocker in der hintersten Ecke waren noch frei. Verdächtig war nur, dass hier auffällig laut für Hoffenheim gejubelt wurde. Die Lösung kam mir dann, als nach ein paar Minuten immer mehr Bosnier in die Kneipe kamen und sich in der hinterletzten Ecke, in der ich saß, lautstark unterhielten. Ohne es zu wissen, waren wir wohl in einen der berühmt berüchtigten Balkankneipen gelandet.
Ibisevic und Bayern-Fans hielten sich allerdings die Waage, wodurch – unüblich für Bayernspiele – eine richtig gute Stimmung aufkam und das trotz Marcel Reifs Kommentar!
Bei diesem Spiel konnte man allerdings auch nichts kaputt reden, es war so schnell und gespickt mit tollen Szenen, dass es glatt als Premier League hätte durchgehen können. Ein Unentschieden wäre leistungsgerecht gewesen, aber Hoffenheims Spieler brannten so lichterloh, dass sie teilweise einfach übermotiviert wirkten.
Das Fazit dieses Abends:Noch ist Hoffenheim nicht so weit, die Bayern sind wieder da und beim nächsten mal geh ich zwei Stunden vor Anpfiff in die Kneipe.
Das ist bitter.
Wünsdorf. “Das ist bitter.” Zitat Marcel Reif. Und überhaupt, Marcel Reif. Wie macht der das nur? Man denkt: “Ja, das war kein Foul”. Zeitlupe kommt und Reif sagt: “Also das war kein Foul”, man denkt: “Bayern drückt ja ganz schön”, Reif sagt: “Jaja, die Bayern spielen jetzt Pressing”, Reif sagt: “So hat in der Allianzarena noch keine Auswärtsmanschaft aufgespielt”, man denkt: “Aha, und was is mit Bremen?” und Reif sagt: “Na, außer Bremen” und man denkt: der hört doch meine Gedanken ab, der is schon viiiiiieeeeel weiter als Schäuble.
Ansonsten bleibt das wohl beste Bundesligaspiel das ich je gesehen habe, soviel Tempo, soviel Kampf. Und das von der ersten Minute. Abtasten? Was für Muttis. Kontrollierte Offensive? Hitzfeld has gone. Ein geiles Spiel. Wenn es dann öfter zu sehen gibt, liebe ich Hoffenheim jezt schon.
Nagut, mein Tipp war falsch, aber lieber seh ich die Bayern gewinnen, als wenn dieses Spiel ohne einen Sieger davon gekommen wär. Und immerhin hat Hoffenheim in Bremen verloren. Somit ist die Welt noch in Ordnung.
Michael Rensing Fußball-Gott!
München. Fünfter Stock. Allein vorm Computer. Kommentar in türkisch. Was natürlich um einiges besser ist als ein Marcel Reif, der ein Bayern-Spiel kommentiert. So die Ausgangsituation. Vom Spiel selber weiß ich garnicht mehr soviel. Brauch ich auch nicht zu erzählen. Es wird ja auch so ziemlich jeder Mensch auf der Welt gesehen haben.
Die wenigen Erinnerungen, die ich noch habe sind, dass Ribery so ziemlich das ganze Spiel von einem stark aufspielenden Beck aus der Spiel genommen wurde und das sich Klose und Toni die ganze Zeit vor dem Tor behinderten.
Mein persönlicher Star des Spiels war Michael Rensing, der das 1:2 von Salihovic festgehalten hat und paar Minuten später das 2:1 vorbereite. Des wegen verkünde ich hier auch lautstark:
MICHAEL RENSING FUßBALL-GOTT.