“Herr lass Hirn regnen” möchte man manchmal schreien, wenn man sich die mangelnde Medienkompetenz der Internetnutzer so ansieht. Wer, so fragt man sich, wer fällt denn bitte noch auf bescheuerte Phising-Mails rein und gibt damit PIN und TANs seiner Bank preis? Es sind wohl genau die Menschen, die statt einer Internetadresse einzugeben lieber die Seite per Google suchen. Davon gibt es ziemlich viele, selbst ich kenne einige davon.
Also suchen sie “Amazon” lieber bei Google, statt direkt amazon.de einzugeben – ist ja auch schwer sich die Topleveldomain zu merken. Das so eine Such-Navigation durchaus zu skurrilen Szenen führen kann wurde bei einem Artikel bei ReadWriteWeb deutlich. Im Text mit dem Titel Facebook Wants to Be Your One True Login ging es eigentlich um Facebook Connect, einem Dienst, der es ermöglicht, dass man sich bei Webseiten mit seinem Facebook-Account einloggen kann.
Dank der unzähligen Keywords im Text wurde der Artikel kurze Zeit später bei Google unter dem Suchbegriff “facebook login” als Topsuchergebnis gelistet und all die Menschen, deren Medienkompetenz in etwa mit der einer mongolischen Wüstenrennmaus vergleichbar ist, hielten die Webseite tatsächlich für Facebook – und das obwohl die Webseite nicht mal ansatzweise Ähnlichkeit mit Facebook! Es reichte wohl, dass ein Facebook-Logo den Text illustrierte, um die Kühe aufs Glatteis zu führen.
Zusätzlich unterstützt ReadWriteWeb besagtes Facebook Connect, was bedeutet, dass man sich mit seinem Facebook-Login einloggen und unter seinen Namen Kommentare veröffentlichen kann. Genau das taten die Internetauthisten nun und wunderten sich, dass sie weder ihr Profil noch ihren Newsstream zu sehen bekamen. Unfähig spätestens jetzt zu erkennen, dass sie nicht auf Facebook gelandet waren, spammten sie die Kommentarspalte mit teils unflätigen Bemerkungen zu. Schließlich hatten sie bei Google “facebook login” gesucht und konnten sich jetzt hier gar nicht einloggen, was sollte das?!
Statt zu merken, dass sie wohl auf einer völlig anderen Webseite gelandet waren – schließlich war sie rot, statt blau und hieß auch komplett anders -gingen viele einfach davon aus, dass Facebook mal wieder das Design geändert hatte:
Aber ganz so blöd sind die User ja nicht, einer ist immer ein Schlaumeier: Laraine schlug vor statt Google einfach Bing als Suchmaschine zu benutzen, dann wäre alles beim Alten. Bevor nun alles aus dem Ruder laufen sollte, entschloss sich das ReadWriteWeb dazu eine sehr deutliche Mitteilung mitten in den Artikel zu setzen, damit auch der letzte Redneck kapierte, dass diese Seite nicht Facebook sei, sondern ein Blog.
Dear visitors from Google. This site is not Facebook. This is a website called ReadWriteWeb that reports on news about Facebook and other Internet services. You can however click here and become a Fan of ReadWriteWeb on Facebook, to receive our updates and learn more about the Internet. To access Facebook right now, click here. For future reference, type “facebook.com” into your browser address bar or enter “facebook” into Google and click on the first result. We recommend that you then save Facebook as a bookmark in your browser.
Jetzt frage ich mich – quasi als Moral von der Geschichte – warum sich die ganzen Phishing-Experten überhaupt die Mühe machen Seiten von Postbank und Sparkasse täuschend echt nachzubauen, wenn diese Internet-Inkompetenten es nicht mal merken, wenn sie auf einer völlig anderen Webseite sind und sich dann auch noch beschweren, dass nichts klappt?!
Es ist unglaublich, wie wenig die Menschen das Internet tatsächlich verstehen und wie viel sie darin über sich preisgeben – so langsam kann ich die Datenschützer verstehen. Außerdem gelobe ich vom heutigen Tage an, nie wieder über Farm Ville zu spotten. Was sollen solche Menschen auch sonst begeistert spielen, ohne gleich an einer kognitiven Überlastung zu sterben?! Das Leben ist die beste Satire – einfach erschreckend.


Das Problem ist wohl, dass das Internet einfach und kompliziert zu gleich ist. Die Leute gehen rein, haben keine Ahnung, aber alles funktioniert bis zu dem Augenblick, an dem sich etwas ändert – das muss noch nicht mal eine große Änderung sein. Deswegen finde ich auch, dass Computer und das Internet in der Schule viel zu wenig besprochen werden. Ja, eingesetzt werden sie, aber keiner erklärt einem, was man eigentlich tut. Es gibt keine Stunden, in denen hinter das Ganze geblickt wird, oder in denen man irgendetwas über irgendwelche Strukturen lern. Es gibt nur: einloggen, Word öffnen, IE öffnen, Google nutzen. Ziemlich wenig, wie ich finde.
13.02.2010 um 18:19 | antwortenJa, du hast Recht. Und ich wiederhole an dieser Stelle gerne das Motto eines unbekannten Internet-Users: Das Problem an der Welt sind die vielen dummen Menschen. Lasst uns einfach überall die Sicherheitshinweise entfernen und die Sache sich selbst überlassen…
Ich sehe das Problem übrigens nicht darin wieviel man jetzt konkret über den Computer oder das Internet weiß… eher wie man ganz im Allgemeinen damit umgeht.
14.02.2010 um 22:21 | antwortenIch weiß auch nichts über Planierraupen und leg mich trotzdem nicht drunter. Auch gemäß dem Falle ich hätte mehr Wissen über Planierraupen, und nehmen wir weiterhin auch an Planierraupen wären elementar für die menschliche Entwicklung und Zukunft würde mich das auch zu keinem besseren Menschen machen.
Mehr wissen übers Internet vermitteln? Vielleicht. Oder den Leuten schlicht und einfach einhämmern, dass virtuelle Handlungen sehr wohl durch und durch reale Konsequenzen haben können. Was bleibt uns sonst noch übrig? Die Geschwindigkeit beibehalten: Die Planierraupe stört’s wenig.