Leben

The same procedure…

Ein neuer Amoklauf erschüttert Deutschland und wieder ist die einzige Antwort, die wir als Gesellschaft darauf haben: Betroffenheitsfernsehen.

Es wird genau dieselbe Leier abgespult, die bei den letzten Amokläufen bereits Verwendung fand. Live-Berichterstattung vor Ort, Experte im Studio, die Fragen nach dem Warum? schwebt wieder im Raum.

Schuld sind dann meist Schützenvereine, lasche Waffengesetze, brutale Videos, laute Musik und nicht zu vergessen: die Killerspiele. Hinzu kommen betroffene Blicke der Moderatoren und irgendwelchen Leuten, die man auf der Straße interviewt hat. Das ganze wird abgerundet mit Archivbildern der Amokläufe der letzten Jahre.

In den nächsten Tagen werden wir mehr über den Amokläufer erfahren, einem Jungen, von dem man eine solche Tat nicht erwartet hätte. Wahrscheinlich einem Einzelgänger, Metal-Fan und eingefleischtem Computerspieler. Viel Berichte über die Opfer wird man aus Pietätsgründen glücklicherweise nicht zu oft sehen bekommen.

Spätestens in zwei Wochen werden die Berichte Stück für Stück aus den Medien verschwinden und all die Forderungen, die richtigerweise an die Politik und die Gesellschaft gestellt wurden, werden wieder vergessen werden. Bis zum nächsten Amoklauf, erst dann werden wir uns wieder erinnern, an Columbine, an Erfurt, an Emsdetten und nun also auch an Winnenden

Die tiefer gehenden gesellschaftlichen Probleme, die Amokläufe hervorrufen, werden mit diesem Betroffenheitsfernsehen jedenfalls nicht gelöst, nur der Sensationshunger der Massen wird gestillt – auf Kosten von 15 unschuldigen Menschen, die heute ihr Leben lassen mussten. Eine Schande, dass sich trotzdem nichts ändern wird.

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7 Kommentare

  1. celle:

    “…, die richtigerweise an die Politik und die Gesellschaft gestellt wurden…”
    bitte?
    Wenn du damit meinst, dass es gut sei dass wenigstens generell mal kritik an die gesellschaft gestellt würde – ja. Wenn du den Inhalt meinst – Blödsinn.

    Diese sogenannten “Experten” die alle Jahre wieder ihren Weg auf die Studiosofas finden und ebenso oft immer wieder diese oben genannten Gründe (Killerspiele, Metall, Schützenvereine) bestätigen sind mit sicherheit eines nicht – kompetent. Dafür spricht schon irgendwie die tatsache, dass man sie gerade dort und auf diese weise im fernsehen zu sehen bekommt.

    Auch wenn es unfassbar ironisch, eigentlich schon sarkastisch ist: Letztendlich haben die Waffenvereine und -produzenten recht wenn sie wieder ihr Motto wiederholen – Waffen töten keine Menschen. Menschen töten Menschen. Dazu mal diese wunderschöne Szene aus “American Dad”
    http://www.myvideo.de/watch/1483191/American_Dad_Waffen_toeten_keine_Menschen

    (natürlich kann man hier wieder diskutieren, dass GARKEINE waffen immerr noch am schönsten wäre, wie leicht Waffen für kleinkinder erreichbar sind, etc. pp.)


    Das Problem liegt in der Gesellschaft und den Menschen selber.
    Schade, dass so selten das soziale Umfeld vertieft kommentiert wird: Ich find das immer putzig wenn dann von Eltern, Lehrern, Bekannten, Freuden, Verwandten usw. Sätze kommen wie “Wir hätten es ja nicht wissen können!”, “Wir haben wir das nur übersehene können?”…

  2. buzze:

    Ach nu mach das Programm nicht so viel schlechter als es ist celle, es wird durchaus über die gesellschaftlichen Gründe sinniert. Ich meine ja gerade nicht die Killerspielverbote etc.

  3. buzze:

    Fällt mir grad ein, dass ich sinnvolle Kritik auch gar nicht im Fernsehen gesehen, sondern gelesen habe :P Dann hättest du natürlich recht celle.

  4. noRm:

    Vorhin hab ich in einem Bericht beim SWR gesehn, wie ein Reporter ein Mädchen fragte: “Und du bist auch traurig?” WTF?? Das Mädchen hatte eben miterlebt, wie 9 Mitschüler getötet wurden. Manchmal kann man sich echt nur an den Kopf fassen.

    Bei den Tagesthemen auf ARD hat man die Frage übrigens weggeschnitten und nur die Antwort des Mädchens gezeigt.

  5. buzze:

    Hatte ich mich wohl geirrt, die Bild-Zeitung ist sich nicht zu schade Bilder von Opfern zu präsentieren – aber gut, von denen hatte ich eigentlich auch nichts anderes erwartet.

    Es taucht inzwischen auch vermehrt “Counter-Strike” in den Artikeln auf.

  6. Robert:

    ..die “killerspiele” sind schuld, dass ist doch ganz klar…obwohl der begriff selber nicht mal definiert ist…*omg*

  7. pitchi:

    tischtennis hat er gespielt, ich ahne schlimmes…

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