Ich hab gelesen, dass Storytelling eine gute Möglichkeit ist, komplexe Sachverhalte vereinfacht rüberzubringen. Probiere ich doch gleich mal aus:
Es rauscht wieder Wald von Kleinbloggersdorf. Aus den dunkelsten Winkeln und hellsten Lichtungen schallt es laut: Unterschreibt sie, die Petition gegen das Sperren von Internetseiten! Und von all überall aus dem kleinen Wäldchen strömen die Häschen, Wölfe und Hirsche des Waldes, setzen ihr Kürzel unter die Petition und verfallen im kollektiven Schulterklopfen.
Ja – es herrscht große Harmonie im Bloggersdorfer Wald. Ganz klar, die Sperrung von Internetseiten seitens des Bösen Königs Adi ist gemein, sinnlos und gefährlich für die freie Meinungsäußerung, aber die Petition, die wird das schon richten, da sind sich alle einig. So zogen sich die Tiere in ihre dunklen Schlupflöcher zurück und freuten sich über ihre große Tat.
Dumm nur, dass der Bloggersdorfer Wald so klein ist und die meisten Menschen im Deutschen Lande gar nicht wissen, wo er liegt oder ob es ihn überhaupt gibt. Denn neben den Bloggersdorfer Wald gibt es noch weitaus größere Regionen in unserem schönem Heimatland.
Da wäre z. B. das silberne Rentnergebirge, das massiv in den Himmel ragt und immer größer wird oder Hausfrauenhausen, eine Stadt, in der es vor allem um die Gleichstellung ihrer Bewohnerinnen mit denen des geschäftigen Nachbardorf Berufingen geht.
Nicht weit davon entfernt liegt die Metropole Harzingen, kaum einer der Bewohner hat hier genug Geld, um sich bis zum Monatsende versorgen zu können. Auf den vielen breiten Straßen tummeln sich die Adeazehler, eine nicht zu unterschätzende Gruppe hochmotorisierter Straßenrambos, die immer auf der Suche sind, nach sinkenden Spritpreisen und Straßen ohne Tempolimits. Nicht zu vergessen ist natürlich das Tal der Ahnungslosen, in dem sich kaum ein Wandersmann verirrt.
All den Menschen des Landes, die nicht im Bloggersdorfer Wald leben, ist eins gemein: Sie haben nicht die geringste Ahnung, was gerade im dunklen kleinen Wald vorgeht. Schlimmer noch! Sie interessieren sich nicht mal dafür, was für Nöte und Ängste die Bewohner des Waldes befallen haben und von einer Petition wissen sie überhaupt nichts.
Wenn das so bleibt, ist es unwahrscheinlich, dass die Kunde des Widerstandes überhaupt die großen Hallen des Königs erreichen, der diese unsinnige Sperrung der Seiten befohlen hatte. Zu klein ist der Wald. Allein und ohne Alliierte an seiner Seite hat der Bloggersdorfer Wald keine Chance sein sinnvolles Anliegen vorzubringen.
Die Bloggersdorfer brauchen also Hilfe, von den Menschen in den Städten, aus dem Rentnergebirge oder vielleicht sogar dem Tal der Ahnungslosen. Doch dazu muss mehr geschehen als das Rauschen im Walde. Dazu müssen die Tiere den Wald verlassen und in die Städte strömen und erklären, warum es auch für die Hausfrauenhausener wichtig ist, ein freies Internet zu besitzen oder warum auch die mittellosen Harzinger Vorteile durch uneingeschränkte Informationsfreiheit haben.
Vielleicht wäre es auch ein guter Schritt den dicken Sendboten des Königs, aufgrund seines Gewichtes “Presse” genannt, zu kontaktieren. Der Sendbote hat nämlich die Fähigkeit alle Dörfer, Straßen und Gebirge des Landes zu erreichen und Nachrichten zu verkünden. Das könnte letztlich die Bewohner des Reiches im Ziele einen, das unsinnige Gesetz wieder zu kippen. Wenn der Großteil seines Volkes sich gegen den König stellt, dann kann er nicht anders, als das zurückzunehmen, was er fälschlicherweise im Umlauf brachte.
Ihr seht es bedarf mehr, als eines Rauschen im Walde. Eine e-Petition mag zwar ein Anfang sein, die Tiere des Waldes zu einen, aber das allein wird nicht dafür sorgen, dass alle Menschen des Landes dafür einstehen werden. Bisher rauscht es zwar stark im Bloggersdorfer Wald, aber der Sturm sollte schon das ganze Land erfasst werden…

Schöne Geschichte, auch wenn ich der Meinung bin, dass viele dieser Schritte schon in Angriff genommen wurden. Die Tagesschau hat schon über die Petition berichtet, ebenso die Sueddeutsche Zeitung und heute verteilen einige Ulmer, die sich im Netz organisiert haben Flyer für die Petition mit Gründen gegen die Zensur in der Stadt.
Es ist also wirklich nicht so, dass nichts getan würde, bis auf gegenseitiges Eigenlob in der Blogosphäre. Zudem würde ich die große Zahl der Unterschriften trotz allem nicht unterschätzen: über 60.000 in so kurzer Zeit, das ist beachtenswert und sollte in meinen Augen nicht hinweggeredet werden.
09.05.2009 um 17:34 | antwortenStimmt durchaus, das schon einiges passiert, aber noch kommt zu wenig bei den Leuten an, die eigentlich nichts oder wenig mit dem Internet zu tun haben. Darum gehts mir.
Über den Erfolg der Petition lässt sich streiten. Wir befinden uns im Internet, da ist es nicht sonderlich viel Aufwand, an einer Petition teilzunehmen.
Wenn sich der ADAC an den Tankstellen Deutschlands Unterschriftenlisten für billiges Benzin auslegen würde, dann würden auch sehr viele unterschreiben
Ich will die Aktion nicht schlecht machen, schließlich ist hier endlich mal wieder ein bisschen politische Partizipation zu erkennen. Aber leider endet die Partition für die meisten schon mit der Unterzeichnung der Petition.
09.05.2009 um 17:47 | antwortenWie die Geschichte in meinen Augen weitergeht…
… was die Bewohner im Bloggersdorfer Wald leider nicht wußten, war dass es den König nicht sonderlich interessierte was all die Leute in Harzingen, im Wald und dem Rentnergebirge dachten. Denn der (zugegebenermaßen verschrobene, aber ein wenig doofe) König und seine Familie lebten in ihrer eigenen kleinen Welt, mit dem ganzen Hof wo ihm alte, dicke Männer in Anzügen und mit Zigarren im Mund die Hände schüttelten, und wo immerzu alle nett zueinander waren. Sicher, es gab immerzu Lug und Betrug aber im Land des Königs waren alle eine große Familie die eigentlich ja das selbe wollten (schönere Anzüge und mehr Zigarren!) und außerdem war leider auch der dicke Herr Presse ein sehr guter Freund des Königs.
09.05.2009 um 18:00 | antwortenUnd die Berater des Königs freuten sich über die Aufregung im fernen dunklen Wald. Zwar wußten auch sie nicht so richtig was sie da eigentlich den ganzen Tag lang taten (jaja, die Hallen des Königs waren ein schrecklich unaufgeräumter Ort mit liebendem Platz für alle Arten von Menschen), aber sie glaubten ja schließlich, dass die Bewohner des ganzen Landes nichts würden ändern können – glücklicherweise waren sie alle ein ziehmlich gemütliches Pack. Vielleicht würden sie diesmal mit ihren Wünschen durchkommen, aber schließlich mussten sie ja nur einmal durchkommen mit ihren seltsamen Plänen – die wenigen tapferen und optimistischen Bewohner aus dem Wald immerzu (die mussten ja schließlich nebenher noch arbeiten während der Hof des Königs den ganzen Tag zeit hatte um immer neue Nachrichten ins Land zu verkünden), denn sie waren auch selbst zu milde und gutherzig um die große glückliche Königsfamilie (und ihre Anzugtragenden Vettern) zum Teufel zu jagen.
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Bevor jetzt einer meckert rechtfertige ich mich besser im vorraus: jap, ich bin pessimist, nein ich hoffe es denkt nicht jeder so, jap, wenn jeder so denken würde wäre die welt viel, viel düsterer, jap, ich hab von politik eigentlich garkeine ahnung, jap, ich finde nur die wurzel des problems liegt wo anders (nur eines davon fährt zum beispiel im rollstuhl), und noch ein weiteres jap, eigentlich find ich es ganz, ganz gut, dass sich leute engagieren.
09.05.2009 um 18:30 | antworten@celle: Deine Fortführung gefällt mir, bin leider ähnlich pessimistisch eingestellt, aber was weiß ich schon (in 10 Jahren sieht alles vielleicht ganz anders aus
)
@buzze: So sehe ich das auch, nur glaube ich eben, dass sich die Zahl derer, die sich aufregt, langsam aber sicher erhöht. Anfangs waren es einige wenige, jetzt sind es 60.000 (wenn auch nur online) und ich denke, dass das noch so weitergehen könnte. Wir werden sehen
09.05.2009 um 19:03 | antworten@celle: Mal wieder ganz großes Celle-Kino
@Moritz: Ich bin der letzte der sich gegen politische Partizipation ausspricht
Also auf gehts.
09.05.2009 um 19:17 | antworten@buzze: ist das jetzt gut oder schlecht`?
09.05.2009 um 19:24 | antwortenimmer diese leute denen man am mondstand aborakeln muss, welche meinung sie zu etwas haben. schlimm!
lustiges Geschichte.
Also um was zu diesen ePetitionen zu sagen. Es gab auch mal eine ePetition zum Thema “bedingungsloses Grundeinkommen”! Das haben auch rund 53 000 Menschen unterzeichnet. Jetzt spricht niemand mehr darüber weil die Petition erst vom Petitionsausscguss geprüft wird und dann wird es eine Empfehlung dieses Ausschusses an die Bundesregierung geben, die dann nochmal entscheiden kann ob sie auf die Petition reagiert. Das Ding wird im seltensten Fall überhaupt im Bundestag behandelt. Die Petition vom Grundeinkommen ist untergegangen. (Wahrscheinlich auch zu Recht
)
Was aus der Petition gegen Zensursula wird, entscheiden nicht die Bewohner des Bloggerwaldes. Es werden wie immer die Lobbyisten entscheiden, sodass von irgendeiner Fraktion (wahrscheinlich hier FDP bzw. SPD)eine Gesetztesinitative gestartet wird.
Eins sollten wir uns doch eigentlich klar sein. Die einzige Partizipationsmöglichkeit an politischen Prozessen in der BRD liegt, was Bundesfragen angeht, einmal in 4 Jahren an der Wahlurne. Oder auf der Straße…
10.05.2009 um 14:59 | antwortenPartizipationsmöglichkeiten gibts nicht nur an Wahlen, das solltest du doch wissen Felix
Politisch engagieren kann man sich das ganze Jahr, auch in Bundesfragen, das sollte man vielleicht auch öfter mal tun.
Und das über die Petition natürlich in einem Auschuss beraten wird, ist klar. Ziel ist es doch, dass man durch viele Unterschriften den Volksvertretern zeigt, was politisch gewollt ist. Wer in vier Jahren wiedergewählt werden möchte, der wird sich aufmerksam Petitionen ansehen. Dafür müssen es aber denke ich noch ein paar mehr Unterschriften werden.
Übrigens sind wir als Internetuser auch Mitglied einer Lobby und wir versuchen gerade unsere Interessen durchzusetzen
Mal sehen wer sich der Sache annehmen wird – hoffentlich nicht die Linken, dann können wir gleich einpacken, die werden ja nicht ernstgenommen im Bundestag
10.05.2009 um 19:11 | antwortenDoch Doch buzze, seitdem die LINKE eine erzunehmende Gefahr für die etablierten Parteien geworden ist wird sie auch im Bundestag mehr oder weniger ernst genommen. Das Problem wäre nur, dass alle anderen Fraktionen alle Anträge von der LINKEN ablehnen obwohl andere Parteien die gleichen Positionen haben (Rente, Mindestlohn usw.). Das ist jedoch kein Zeichen, dass die LINKE nicht ernstgenommen wird sondern eher ein Zeichen wie machtgeil alle anderen Fraktionen sind.
Na klar wird sich der Druck auf die Regierung erhöhen, je mehrLeute die Petition unterzeichen und vor allem je mehr Kritik von den Medien kommen wird. Aber dafür müssen schon mehr als 100 000 Leute die Petition unterzeichen. Wie war das?
“Allein machen sie dich ein,
schmeissen sie dich raus, lachen sie dich aus,
und wenn du was dagegen machst,
sperr’n se dich in den nächsten Knast. ”
10.05.2009 um 20:56 | antworten@buzze: die letzten beiden worte sind überflüssig (“… im bundestag”). Trifft so auch eher die wahrheit.
@felix: ich glaube das ist eher ein zeichen dafür, das die etablierten parteien sich folgendes denken: bei unseren üblichen parteifeinden wissen wir wenigstens was wir zu erwarten haben. “linke” sind generell eher unberechenbar.
10.05.2009 um 21:04 | antwortendas ist eigentlich eine ziehmlich negative sache und trifft’s ziehmlich. man weiß einfach nicht was man von dem haufen erwarten soll.
@celle: Das wissen die Glaube ich selber nicht
Aber die SPD ist im Moment ja auch nicht besser.
10.05.2009 um 21:26 | antwortenWas lernen wir drauß? Grün wählen.
10.05.2009 um 21:50 | antwortenja gut, was früher mal SPD war ist heute auch nicht mehr als ein neoliberaler sich-selbst-beweihräuchender haufen seniler opportunisten.
@buzze: im großen und ganzen vermutlich ja, aber zumindest ein teil davon ist sich sicher, dass sie die stasi samt mauer zurückhaben wollen^^
@tobi: ja, weiß nicht. ich bin eigentlich nicht so der öko-typ. ansonsten sind die ja ganz sympathisch.
10.05.2009 um 22:09 | antworten@tobi Seitdem die Grünen, als ehemalige Friedenspartei, Angriffskriege befürworten und in Hamburg mit der CDU zusammen gehen ist diese Partei für mich gestorben. Die Grünen sind heute doch nur noch ein Haufen machtgeiler opurtunistischer Arschlöcher. Sven Giegold ist noch ganz cool aber der ist ja auch eigentlich attác.
@celle: Natürlich gibts diese Leute aber die gibts genauso auch in der SPD bis CDU. Und in der CDU gibts noch Leute, die wollen das dritte Reich zurück. Und die finde ich noch viel viel schlimmer.
@buzze: Die Sozis sind seit 1914 nur machtgeile Verräter! Mehr muss ich dazu nicht sagen!
10.05.2009 um 23:00 | antwortenOohh Felix, wasn dann bitte der kleine Kerl da bei den Linken in der ersten Reihe? Die kleine Fontäne da…
10.05.2009 um 23:04 | antwortenWar auch mal Sozi. Ich war übrigens auch mal Sozi. Mehr sag ich da nicht
Was sagt ihr eigentlich zur Piratenpartei?
10.05.2009 um 23:26 | antwortenNix, das Leben besteht nicht nur aus dem Internet und Urheberrecht
10.05.2009 um 23:30 | antwortenNaja aber die sind ja auch so ne Partei für die Internetnerds. Und sie sind ne Nischenpartei und könnten meiner Meinung auch ne Chance haben in einige Landtage einzuziehen. Sie haben aber auch die Chance wie die Biertrinkerpartei zu enden.
10.05.2009 um 23:35 | antworten@Felix: Ja nee, is kla. Über die SED-Vergangenheit der Linken darf man nicht reden, aber der SPD vor halten das sie 1914(!!!) nicht für die sozialistische Revolution stand.
11.05.2009 um 01:23 | antwortenwenn ihr so weiter macht, geh ich gleich gar nicht mehr wählen.
11.05.2009 um 16:05 | antwortenis’ vermutlich eh die beste entscheidung pitchi
11.05.2009 um 16:20 | antworten@Tobi: Anders als die SPD mit 1914 und 1919 hat sich die PDS von ihrer SED-Vergangenheit distanziert und sie als Fehler eingestanden. Die SPD ehrt heute noch Friedrich Ebert als “großen Staatsmann”. Außerdem stand die SPD nur “nicht für die sozialistische Revolution” (die war übrigens 1919 und nicht 1914, da waren die Kriegskredite)sondern war ein aktiver Gegner dieser Revolution. Sie tragen die Schuld an der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknecht und am Blutmai. Und das wird heute noch von der SPD Führung als Kampf für die Demokratie geehrt.
11.05.2009 um 17:50 | antwortenMan man, sowat von borniert der Felix. Bloß keine Fehler eingestehen. Du solltest in die Politik gehen.
Auf eine echte Distanzierung der Linken von ihrer Vergangenheit hat definitiv nicht stattgefunden, liegt aber im Wesen der Partei.
11.05.2009 um 17:54 | antwortenUnd ob eine Distanzierung stattgefunden hat. Sie ist sogar in den aktuellen Eckpunkten der Partei zu finden. Ich zitiere:
“Wir haben aus der Geschichte gelernt: Respekt vor den Ansichten Andersdenkender ist Voraussetzung von Befreiung. Wir lehnen jede Form von Diktatur ab und verurteilen den Stalinismus als verbrecherischen Missbrauch des Sozialismus. Freiheit und Gleichheit, Sozialismus und Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit sind für uns unteilbar.”
Würde das dort nicht drinne stehen, wäre ich nicht in dieser Partei! In der PDS gabs sogar noch eine viel größere Diskussion darum. Aber wir sind jetzt eine neue Partei und nicht mehr die SED bzw. PDS!
11.05.2009 um 18:26 | antwortenNa dann prosit! Dann kann ja die Revolution kommen!
11.05.2009 um 18:39 | antworten@buzze: Aber natürlich muss es nach der Revolution leute geben die das Wort haben. Am besten Leute die sich da auskennen. Und leute die auch genug Macht haben – natürlich nur um in den anschließenden chaotischen Zeiten wieder die “richtige” ordnung herzustellen, versteht sich von selbst. Nicht etwa zum Missbrauch! Und zu gegebener Zeit wird dieser provisorische Rat die Macht selbstverständlich wieder abgeben!
11.05.2009 um 18:54 | antworten:>
…der Blog wird mir langsam wohl oder übel zu politisch!
12.05.2009 um 17:13 | antwortenWir kommen hier sws. nie auf einen Nenner!
Ach ja, ich liebe Menschen die gegen Zynismus immun sind.
12.05.2009 um 17:45 | antworten