Politik

Drohanruf aus der Parteizentrale

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Aua, da hat’s uns also auch mal erwischt. Aus der tiefsten Provinz bekamen wir heute einen bösen Anruf. Betreff: ein Satire-Artikel über einen bestimmten Politiker, dessen Namen wir hier mal außen vor lassen wollen. Der passte wohl so gar nicht ins Wahlkampfkonzept, vor allem wenn so was in Europas “größtem” Blog steht. Aber gut, wenigstens beließ man es bei einem Drohanruf und kam uns nicht gleich mit einer Abmahnung.

Uns ist bewusst, dass man nicht alles machen kann im Internet. Beleidigungen und Verleumdungen kommen uns nicht in die Tüte und sollten wir doch mal über die Stränge schlagen, dann kann man gern darüber sprechen. Gleich mit dem Anwalt drohen, ist irgendwie ziemlich peinlich und plump, muss man aber scheinbar von Politik-Hinterbänklern erwarten.

Ich kann mir schon denken welcher Satz der Stein des Anstoßes gewesen sein dürfte zum Hörer zu greifen und uns anzurufen. Ja wir geben zu, das hätte man sicherlich weniger plakativ und provokativ schreiben können, aber der Beitrag war insgesamt sowieso plakativ und provokant und als solcher sicherlich nicht erst zu nehmen.

Aber trotzdem haben wir uns entschlossen den Artikel aus dem Netz zu nehmen, weil wir vom dümmsten anzunehmenden Nutzer ausgehen müssen – und der versteht das Ganze vielleicht eben nicht als Satire sondern nimmt es für bare Münze. Mann kann ja leider nicht von allen Menschen annehmen, dass sie Tucholsky gelesen haben.

Rufschädigend wollen wir definitiv nicht sein und daher machen wir jetzt auch kein großes Fass auf von wegen Meinungsfreiheit und ungehinderten Informationsfluss. Das ist die Sache dann echt nicht Wert. Wir tun das aus Selbstschutz und zum Schutze des besagten Politikers.

Dennoch zeigt sich mal wieder, wie wenig es die Politik versteht auf der Klaviatur des Internets zu spielen: Das Gespräch zu suchen mit seiner Wählerschaft, das ist den meisten fremd. Diese Retro-Politiker sehen nur den Imageschaden, den man durch Blogs und dem restlichen Web2.0 erleiden kann.

Irgendwie widersinnig, wenn man bedenkt, dass 134.015 Unterzeichner einer Online-Petition als vernachlässigbare Größe gehandelt werden, aber ein Blog der wenns hoch kommt 2000 Besucher im Monat hat, als so bedeutsam eingeschätzt wird, dass man sich genötigt fühlt, mit Anwälten zu drohen.

Was soll man dazu noch groß sagen? Man kann eigentlich nur den Kopf schütteln und euch raten: Don’t vote CDU/CSU.

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8 Kommentare

  1. Felix:

    This is what democratie looks like!

  2. pitchi:

    hoffe die lesen das auch!
    gibts eigentlich für mich ne möglichkeit den artikel nochmal zu lesen?

  3. buzze:

    Der Artikel ist raus, aber Tobi hat ihn geschrieben – musst du ihn mal fragen :)

  4. Henry:

    Ich kann die Situation zwar nicht wirklich einschätzen, da ich den Beitrag nicht gelesen habe, aber ich denke, dass wenn man seine Anwälte bei einem Blogeintrag einschaltet, in den meisten Fällen überreagiert. Ich hoffe, ihr bekommt im Nachhinein keinen Stress, musste mich mit solchen Drohungen auch schon herumprügeln – zwar nicht von einem Politiker, aber von ähnlichem Kaliber.

  5. Celle:

    Ich finde es immer wieder interessant wie unglaublich paradox die Blogsituation ist. Zum einen werden die herkömlichen Medien, und ebenso die Politikvertreter, nicht müde bei jeder Erwähnung nochmal zu betonen wie laienhaft, von geringem Wert und ganz im Allgemeinen nicht Ernst zu nehmen die “Blogkultur” an sich ist. Zum anderen – in keinem anderen Bereich, wo man so unzensiert des kleinen Bürgers Meinung hören kann wird die althergebrachte Welt so schnell auf den Anwalt gebracht. Auch im “realen” Leben macht sich eine Person des öffentlichen Lebens zumeist doch eher lächerlich wenn er oder sie gegen Alles und Jeden klagt.
    Die wenigsten Politiker kämen auf die Idee einen Kabaretisten oder Standup-Comedien nach vermeintlich schädigender Karikatur so eilig, ja so krass, zu drohen. Wann beginnt man zu verstehen, dass grade dieser Bereich des Internets zugleich so volksnah und ganz speziell eher weniger anonym, ja so ganz anders als der Rest der Internets ist (oder seines Images ist). Und dass man sich hier – viel schneller als sonst irgendwo, so schnell, so komplett, seine potentiellen Wähler killt.
    Das hat nichts damit zu tun, dass man sich als Blogger – oder Blogleser – zu Ernst nehmen würde, oder etwa Professionalität beanspruchen müsse; ich glaube man mittlerweile guten Gewissens sagen: “Die Menge macht’s”. Wir sind Bürger, wir sind ja nichtmal Radikale und vor Allem: Wir sind Wähler!
    Einfach nicht nachgedacht.

    Internet – ein meinungsfreier Raum?

    PS:Ihr habt trotz Allem die richtige Entscheidung getroffen. Als kleiner Blogger kann man sich da den Prozess und/oder anhaftenden Ärger nicht leisten. :D
    Muss Tobi auf jeden Fall auch nochmal nach dem Beitrag fragen…

  6. Celle:

    Ach, eins noch: Lieber weg mit dem Artikel, nicht dass sich der arme Tobi der Volksverhetzung oder Verschwörung schuldig macht, wenn der Lesestoff unter der Hand die Runde macht. ;)

  7. Tobias K.:

    Ich muss gestehen, dass ich selbst schon fast vergessen habe was ich geschrieben hatte. ;)

  8. Celle:

    Reden wir wirklich von Vergesslichkeit, oder ist da Gedankenmanipulation im Spiel…? :D

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