Sport

Weibliche Töne

Fußball

Männer. Das sind grobschlächtige Kerle, die große Haufen machen und grundsätzlich wortkarg sind. Darauf konnte man sich bisher immer verlassen, besonders im Sport und dort besonders im Fußball. Ein Fußballspieler muss keine drei Sätze geradeaus sprechen müssen, ein „Wenn isch aufm Platz bin, versuch ich die Dinger rein zu machen.“, reicht eigentlich. Wichtig ist aufm Platz, wie man so schön sagt.

Fußballer, die gegen die Testosteron strotzende Regel einfach männlich zu sein verstoßen, werden als Prinzessinnen beschimpft, als Heulsuse oder gar als Kurany. Kein Wunder also, dass Frank Ribéry mit seinen rosa Schühchen die Sportberichterstattung der letzten Tage bestimmt hat.

Wie kann denn ein gestandener Mann rosa Schuhe tragen, fragt sich unterschwellig jeder Sportreporter in den unzähligen Beiträgen. “Ribéry” kann man in diesen Tagen scheinbar nur in Verbindung mit “Rosa” schreiben, als wäre es mit dieser unmännlichen Schuhfarbe nicht möglich Fußball zu spielen.

Dabei sollten die Sportjournalisten sich mal an die eigene Nase fassen, denn so langsam aber sicher verkommt Sportberichterstattung zum Talkshow-Ersatz. Ein Beckmann oder JBK schwadroniert während des Spiels über die psychologischen Befindlichkeiten der zartbesaiteten Spieler, über die – wie schon erwähnt – Schuhfarben der Spieler oder gar über die neuste Frisur des Spielmachers, statt das Spiel zu kommentieren. Wer will denn sowas hören?!

In China gibt es einen sehr guten Sender, der die Bundesliga mit englischem Kommentar überträgt. Und erstaunlicherweise tat der Kommentator genau das, was man eigentlich von unseren Pappnasen am Mikrofon erwarten würde: Mit viel Witz und erstaunlich fundiertem Hintergrundwissen führte der Kommentator durch die Spiele und man hatte tatsächlich immer das Gefühl, zu wissen was AUF dem Platz und nicht IN den Köpfen der Spieler passierte. Kein Psychoblabla, keine Schuhkritik, keine Frisurendiskussion, einfach herrlich.

Warum gibt es sowas nicht in Deutschland? Warum nur? Gut, dass der chinesische Sender auch übers Internet zu sehen ist. Es ist einfach schön, nur Fußball zu sehen und zu hören.

Bildquelle: mon1que unter CC

Du kannst diesen Artikel kommentieren oder einen Trackback von deiner Seite aus setzen.

4 Kommentare

  1. Felix:

    Es gibt JBK. Darum gibt es keine Kommentare mit “viel Witz und erstaunlich fundiertem Hintergrundwissen”. Reicht das als Erklärung!

  2. Peter:

    /Sign euch beiden :D

  3. celle:

    Hehe, also ich mag den jbk – schönes beispiel dafür wie herrlich schön aber doch absolut nichtssagend sprache doch sein kann :)

  4. Tobias K.:

    http://de.youtube.com/watch?v=0Mpr9Gk1AZs

    … weils so schön passt und einfach groß ist.

kommentieren