Netz

Sonntagslese (#41)

+++ Gamer sind echt anders. Man kommt jedenfalls zu den Schluss, wenn man sich Videos ansieht, über die Gamer so lachen. +++ Ich wusste gar nicht wie unglaublich trostlos es zugeht im Berliner Speckgürtel, die letzten 20 Jahre sind ja da komplett vorbeigegangen. +++ Wer wissen möchte, wie es um die deutsche Jugend steht, der muss sich nur ihre SMS ansehen. Ein fest für jeden Soziologen. +++ Den Abmahn-Spezialisten stehen harte Zeiten ins Haus, wenn sie schon Beiträge abmahnen, die sich mit Abmahnungen beschäftigen. +++ Wem das noch nicht genug Abmahnung in einem Satz war, der darf hier eine Online-Petition unterzeichnen, die den Bundestag auffordert, eine kostenlose Vorstufe von Abmahnungen einzuführen. +++ Mal was nützliches: Wie liest man eigentlich einen Wikipedia-Beitrag? +++ Eine kleine Twitteranalyse zum Thema #unibrennt mit ziemlich coolen Videos. +++ Eigentlich sollte jeder den extra3-Blog schon von seblst lesen, aber das hier ist einfach zu witzig. +++

Netz

Grobe Unsportlichkeit von JAKO

Na wenn sie sich da nicht ein dickes fettes Eigentor geschossen haben. Der Sportartikelhersteller JAKO und deren Rechtsanwaltskanzlei überziehen den Fußballblogger Trainer Baade seit ein paar Monaten mit absolut unrealistischen Forderungen, nur weil der das neue Logo des Herstellers nicht gut fand.

Gelesen haben diesen Beitrag rund 400 Leute, was also dermaßen geschäftsschädigend sein soll, dass Baade jetzt 5100 Euro zahlen soll. Von Verhältnismäßigkeit gar keine Spur also.

Aber so läuft das im Internet leider immer noch: Die großen Unternehmen kaufen sich für teuer Geld ihr Markenimage von Agenturen ein und da kann man dann schon mal verschnupft reagieren, wenn ein dahergelaufener Blogger einfach an dem teuren Logo rumkritisiert – kann ja wohl nicht angehen.

Blöd nur, dass ein Markenimage eben nicht aus einem Logo oder irgendwelchen tollen Firmenphilosophien besteht, sondern aus dem, was die Produktfans und Kunden darüber zu sagen haben. Apple ist nicht Apple, weil sie viel Geld für ihr Image ausgeben, sondern weil sie Millionen von überzeugten Apple-Fanatikern hinter sich haben, die jeden Kritiker allein durch schiere Masse zum Schweigen bringen können.

Was jetzt allerdings passiert ist dann irgendwie so richtig blöd für JAKO. Erst das Markenimage aufpoliert und jetzt durch einen juristisch unklugen Schritt dafür gesorgt, dass sehr viele darauf aufmerksam werden, dass die nette Firma doch nicht den großen Sportsgeist besitzt, den sie gerne propagieren. Image-Schaden durch übereifrigen Markenschutz also – dumm gelaufen.

Vielen unserer Leser und selbst mir wäre es nicht aufgefallen, hätte JAKO einfach um die Löschung oder Umformulierung des Beitrages verlangt. So allerdings werden ab sofort nicht nur unsere paar Leser sondern sicherlich ein paar Tausende mehr ein etwas anderes Markenimage von JAKO haben. Noch dazu, wenn es sich wie hier um ein klassisches David-gegen-Goliath-Szenario handelt, auf wessen Seite das pöbelnde Volk stehen wird, ist wohl klar oder?

Keiner verlangt, dass man sich als Unternehmen oder Person im Internet beschimpfen lassen muss, man sollte aber die Verhältnisse im Auge behalten, nicht nur aus der menschlichen sondern auch aus der PR-Perspektive. Irgendwie unklug, so viel negative Publicity zu erzeugen oder?

Das hätte JAKO eigentlich schon wissen müssen, so neu ist das Web2.0 ja nun nicht mehr. Trotzdem haben sie es geschafft, selbst aus einem klein bisschen Kritik einen großen Imageschaden zu machen. Bravo! Da kann man nur hoffen, dass die Geschäftsleitung bald ein Einsehen hat und Baade ein großzügiges Angebot machen wird und die Klage zurückzieht. Bevor aus dem Schaden ein Desaster wird.

Politik

Drohanruf aus der Parteizentrale

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Aua, da hat’s uns also auch mal erwischt. Aus der tiefsten Provinz bekamen wir heute einen bösen Anruf. Betreff: ein Satire-Artikel über einen bestimmten Politiker, dessen Namen wir hier mal außen vor lassen wollen. Der passte wohl so gar nicht ins Wahlkampfkonzept, vor allem wenn so was in Europas “größtem” Blog steht. Aber gut, wenigstens beließ man es bei einem Drohanruf und kam uns nicht gleich mit einer Abmahnung.

Uns ist bewusst, dass man nicht alles machen kann im Internet. Beleidigungen und Verleumdungen kommen uns nicht in die Tüte und sollten wir doch mal über die Stränge schlagen, dann kann man gern darüber sprechen. Gleich mit dem Anwalt drohen, ist irgendwie ziemlich peinlich und plump, muss man aber scheinbar von Politik-Hinterbänklern erwarten.

Ich kann mir schon denken welcher Satz der Stein des Anstoßes gewesen sein dürfte zum Hörer zu greifen und uns anzurufen. Ja wir geben zu, das hätte man sicherlich weniger plakativ und provokativ schreiben können, aber der Beitrag war insgesamt sowieso plakativ und provokant und als solcher sicherlich nicht erst zu nehmen.

Aber trotzdem haben wir uns entschlossen den Artikel aus dem Netz zu nehmen, weil wir vom dümmsten anzunehmenden Nutzer ausgehen müssen – und der versteht das Ganze vielleicht eben nicht als Satire sondern nimmt es für bare Münze. Mann kann ja leider nicht von allen Menschen annehmen, dass sie Tucholsky gelesen haben.

Rufschädigend wollen wir definitiv nicht sein und daher machen wir jetzt auch kein großes Fass auf von wegen Meinungsfreiheit und ungehinderten Informationsfluss. Das ist die Sache dann echt nicht Wert. Wir tun das aus Selbstschutz und zum Schutze des besagten Politikers.

Dennoch zeigt sich mal wieder, wie wenig es die Politik versteht auf der Klaviatur des Internets zu spielen: Das Gespräch zu suchen mit seiner Wählerschaft, das ist den meisten fremd. Diese Retro-Politiker sehen nur den Imageschaden, den man durch Blogs und dem restlichen Web2.0 erleiden kann.

Irgendwie widersinnig, wenn man bedenkt, dass 134.015 Unterzeichner einer Online-Petition als vernachlässigbare Größe gehandelt werden, aber ein Blog der wenns hoch kommt 2000 Besucher im Monat hat, als so bedeutsam eingeschätzt wird, dass man sich genötigt fühlt, mit Anwälten zu drohen.

Was soll man dazu noch groß sagen? Man kann eigentlich nur den Kopf schütteln und euch raten: Don’t vote CDU/CSU.

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