Netz

Sonntagslese (#41)

+++ Gamer sind echt anders. Man kommt jedenfalls zu den Schluss, wenn man sich Videos ansieht, über die Gamer so lachen. +++ Ich wusste gar nicht wie unglaublich trostlos es zugeht im Berliner Speckgürtel, die letzten 20 Jahre sind ja da komplett vorbeigegangen. +++ Wer wissen möchte, wie es um die deutsche Jugend steht, der muss sich nur ihre SMS ansehen. Ein fest für jeden Soziologen. +++ Den Abmahn-Spezialisten stehen harte Zeiten ins Haus, wenn sie schon Beiträge abmahnen, die sich mit Abmahnungen beschäftigen. +++ Wem das noch nicht genug Abmahnung in einem Satz war, der darf hier eine Online-Petition unterzeichnen, die den Bundestag auffordert, eine kostenlose Vorstufe von Abmahnungen einzuführen. +++ Mal was nützliches: Wie liest man eigentlich einen Wikipedia-Beitrag? +++ Eine kleine Twitteranalyse zum Thema #unibrennt mit ziemlich coolen Videos. +++ Eigentlich sollte jeder den extra3-Blog schon von seblst lesen, aber das hier ist einfach zu witzig. +++

Lokales

Die Bahn macht mich fertig

Die Bahn macht es Pendlern wie mir in diesen Tagen wirklich nicht leicht. Was ich diesen Mittwoch erlebt habe, ist ein Musterbeispiel für diese Behauptung.

Am Mittwoch wollte ich mit der RE3 (Elsterwerda – Schwedt) von Wünsdorf nach Berlin Hauptbahnhof fahren, dann weiter mit S-Bahn bis Zoologischer Garten und von dort mit U-Bahn bis zu meiner Hochschule.

Am Wünsdorfer Bahnhof angekommen, bot sich mir sich mir schon mal ein seltsames Schauspiel. Der RE3 Richtung Elsterwerda hatte wohl ein kleines Problem mit der Stromversorgung. Mindestens 10 Minuten lang fuhr der Lokführer den Stromabnehmer des Zuges hoch und runter, bis dieser endlich Saft von der Oberleitung bekam. Als der RE3 Richtung Elsterwerda abfuhr, kam auch der RE3 Richtung Schwedt in Wünsdorf an. Hier begann meine Odyssee.

Kurz vor Dabendorf kam die Durchsage, dass der Zug wegen eines Oberleitungsschadens in Rangsdorf enden und von dort direkt wieder nach Wünsdorf zurückfahren würde. Was mit den Passagieren, die nach Berlin wollen, passieren sollte, wurde nicht geklärt. Keine Informationen, wie es weitergehen soll. Also stieg ich mit den anderen ratlosen Fahrgästen aus und wartete. Als dann ein Schnellzug in Richtung Berlin vorbeiraste, war ich verwundert und erleichtert zu gleich. Das Problem lag also am Zug selbst und nicht an der Strecke. Muss mir doch mal einer sagen, dass mit „Oberleitungsschaden“ kein Schaden an der Oberleitung gemeint ist.

Also wartete ich auf den nächsten Regional-Express Richtung Berlin.  Mit dem RE7 erreichte ich dann schließlich Berlin Ostbahnhof. Mittlerweile hatte ich bestimmt schon 30 Minuten verloren. Da die RE7 momentan wegen Gleisbauarbeiten nur bis Ostbahnhof fährt, kommen noch einige Minuten wegen der S-Bahn-Fahrt dazu. (Normalerweise würde die RE7 nämlich über Bahnhof Zoo bis Dessau fahren.)

Mit der S-Bahn sollte es dann also bis zum Zoologischen Garten weitergehen. Auf halber Strecke hatte diese dann aber erstmal eine „Zugstörung“, wodurch sich die Weiterfahrt wiederum – glücklicherweise nur – um ein paar Minuten verzögerte.

Zumindest auf die U-Bahn war an diesem Tag Verlass. Doch das war nur ein geringer Trost. Letztendlich kam ich eine Dreiviertelstunde zu spät zur Vorlesung, was kein großes Drama ist, aber hier geht es um’s Prinzip.

Auch der Rückweg verlief ganz anders als geplant. Vom Hauptbahnhof wollte ich gemütlich und bequem mit dem RE3 (mal wieder) gen Heimat fahren. Als ich auf der Anzeigetafel am Gleis las „Umleitung über Gesundbrunnen“, habe ich mir erstmal nichts dabei gedacht – außer: Wo liegt Gesundbrunnen? Wird schon passen, dachte ich. Die Abfahrtszeit stand ja schließlich auch noch da. Als der Zug zur Ankunftszeit nicht einfuhr und auch keine Lautsprecheransagen ertönten, wurde ich langsam skeptisch. Einige andere Wartenden hatten es wohl inzwischen begriffen und verließen den Bahnsteig. Als die Anzeige dann völlig erlosch und gar nichts mehr anzeigte, verlor auch ich meinen letzten Funken Hoffnung und machte mich auf dem Weg zum Ostbahnhof.

Aber was zur Hölle soll der Scheiß? 20 Minuten umsonst gewartet, keine Informationen, was los ist, außer: „Umleitung über Gesundbrunnen“. Kann man das nicht deutlicher ausdrücken? So wie „Der scheiß verdammte Zug hält nicht am HBF“ zum Beispiel? Klar, viele hätten es wahrscheinlich gleich gerafft. Zum Beispiel die, die wissen, wo Gesundbrunnen liegt (nämlich nördlich vom Hauptbahnhof wie ich jetzt herausfand). Doch ebenso viele haben den „kryptischen“ Hinweis anscheinend auch nicht verstanden.

In der Zeit, in der ich am HBF gewartet habe, fuhr übrigens auch meine zweite Fahrmöglichkeit vom Ostbahnhof (RE7) davon. Wieder hat mir die Bahn eine Stunde Lebenszeit geklaut.

Was ich jetzt damit sagen will, ist sicher schon lange kein Geheimnis mehr. Die Bahn hat Probleme: Schlecht gewartete Züge und Gleisanlagen, Unpünktlichkeit, Zugausfälle, schlechtes Informationsmanagement, zu wenig Servicepersonal und dazu noch viel zu hohe Preise, welche ja noch in Ordnung wären, wenn die ganzen Probleme nicht wären.

Am Dienstag hat der Verkehrsbund Berlin-Brandenburg (VBB) seine Qualitätsanalyse „Netzzustand 2009“ veröffentlicht. Darin finden sich einige erschreckende Zahlen. So haben die Rechercheure in Berlin-Brandenburg 685 Geschwindigkeitseinbrüche ermittelt, die zusammen rund 587 Kilometer lang sind. Damit könnten 13,1% des Netzes im Verbundgebiet aufgrund von Mängeln nicht mit der eigentlichen Geschwindigkeit befahren werden.

Schuld daran seien die alten Anlagen, die nicht für heutige Geschwindigkeiten ausgelegt sind. „Angesichts der vielen Mängel und der veralteten Anlagen ist nicht nachzuvollziehen, dass die Gewinne von DB Netz unverhältnismäßig gestiegen sind. 2005 machte die DB Netz 17 Millionen Gewinn, 2008 rund 670 Millionen“, sagte VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz.

Tja, vielleicht könnte es ja ein ganz kleines bisschen mit den geringen Investitionen ins Schienennetz zu tun haben. 17,8 Millionen Euro wurden in diesem Jahr dafür ausgegeben (noch mal: Gewinn 2008: 670 Mio.). Im nächsten Jahr sollen ganze 18,9 Millionen Euro ins Schienennetz investiert werden.

Vielleicht wäre es doch an der Zeit, mir eine Wohnung in Berlin zu besorgen…

Kultur

Back in the GDR

Blühende Landschaften, das versprach uns Helmut Kohl. Und wenn es nach dem brandenburger Polizeiruf geht, bleibt es auch nur bei diesem Versprechen. Denn grauer ist nicht einmal der Duisburger Schimanski. Lange schon habe ich nicht mehr solch einen schlechten deutschen Krimi gesehen. Und dabei stört mich diesmal nicht einmal die äußerst schwache Handlung. Denn was man diesen Sonntag ertragen musste, tut einem Brandenburger tief im Herzen weh. So ein furchtbares Bild der Heimat wurde selten in die deutschen Wohnzimmer geschickt.

Gerade die Produktionen aus der näheren Umgebung liegen einem besonders am Herzen. So ist das bei mir der Berliner Tatort und eben der brandenburger Polizeiruf, aber bei solch einer Inzenierung schämt man sich ja für seine Heimat.

Diese Tischdecken, diese Tischdecken! Die Bühnenbildner gehören gesteinigt, mehrfach am besten. Ich verstehe ja, dass man zeigen will, dass man im tiefsten Osten der Republik noch etwas der Zeit hinterher läuft. Aber den Zuschauern aus dem Westen, den Eindruck zu vermitteln, man lebe hier immer noch von Lebensmittelmarken und der Krieg sei gerade erst zu Ende, ist dann doch etwas zu viel des Guten.

Es waren neunzig Minuten, die nur so von Stereotypen trieften. Oft konnte man nur eines denken: “Allee, Allee. Eine Straße, viele Bäume, ja das ist eine Allee”. Kann ein Bild Klischeebehafteter sein? Ich könnt kotzen. Seit den Defa-Dokumentationen wurde nicht mehr soviel Film verschwendet.

Und auch die Figuren waren mehr als schwach. Die Jugend macht nur eins: Saufen und randalieren, vorzugsweise mit Handfeuerwaffen. Gut, neben dem Saufen gibt es wirklich nicht viel, aber das ist doch nicht nur im Osten so. Aber flacher geht es  nun wirklich kaum noch. Höchstens dieser patriarschiche Bürgermeister, der versucht die großen Investoren in den Ort zu locken, steht auf der nach oben offenen Klischeeskala noch darüber.

Und natürlich waren auch die Polen dabei, hey, wir sind schließlich in Brandenburg. Das ist doch schon fast Russland, da müssen die Polen doch ihre Finger im Spiel haben? Nix gegen Polen, und nix gegen Polen im Film, aber gab es irgendwelche dramaturgischen Gründe warum es Polen sein mussten?

Und erst dieser Dialekt, oder was ein Dialekt sein soll. Niemand, wirklich NIEMAND spricht so. Weder in Berlin, noch im Umland, wo man eigentlich mehr berlinert als in Berlin, spricht niemand so. Selbst die Pfandsammler von der örtlichen Tankstelle sprechen besser deutsch als die “Schauspieler” im Polizeiruf. Da muss man doch auch als Regisseur mal einmal drüber schauen über die Szene. Ein bisschen Anspruch an Realismus sollte doch jeder haben.

Über die Story möchte ich gar nicht groß reden. Sie war schwach, aber eben eines brandenburgischen Dorfes angemessen. Außer Techtelmechtel mit den Nachbarn gibt es hier eben nicht viel zu tun. Die Inszenierung stand der Handlung in nichts nach, da musste man keine Angst haben, dass das eine dem Anderem die Show stahl. Alles war nicht einmal Mittelmaß. So darf, man einen Polizeiruf nicht inszenieren. Die DDR mag zwar noch in einigen Köpfen hängen geblieben sein, aber sie ist es eben nur da, auf den märkischen Feldern und in den märkischen Wäldern ist sie schon lange nicht mehr zu gegen. Also, zeigt es auch. Gerade im öffentlich-rechtlichen muss man die Klischees doch einmal hinter sich lassen.

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