Kultur

Die besten Filme des Jahrzehnts

Nicht nur das Jahr neigt sich dem verdienten Ende entgegen (mal ehrlich, noch zwei Monate 2009 halte ich nicht aus), sondern auch ein ganzes Jahrzehnt. Zeit also für einen etwas umfangreicheren Rückblick der letzten Dekade.

Ab heute nehmen wir uns in unregelmäßigen Abständen einen Bereich der Populärkultur vor und verraten euch, was für uns das persönliche Highlight der letzten zehn Jahre war – höchst subjektiv natürlich, wie ihr es von uns gewohnt seid. Den Anfang machen wir heute mit den besten Filmen des Jahrzehnts, zusammengestellt von den Et-jeht-so-Autoren. Wir sind natürlich auch auf eure Kommentare gespannt, welche Highlights ihr hier lieber gesehen hättet.

Children of Men (2006)

Es kommt selten vor, dass man im Kino sitzt und mit offenem Mund zu realisieren beginnt, dass man gerade Zeuge eines Genreklassikers geworden ist. Alfonso Cuaróns Endzeit-Meisterwerk stellt sich ohne große Probleme in eine Reihe mit den großen Klassikern Blade Runner, Mad Max oder Brazil.

In Children of Men ist die Menschheit unfruchtbar geworden und beginnt auszusterben, die Welt ist geprägt von Chaos, Gewalt und Terrorismus. Ähnlich wie in den drei Meisterwerken verliert sich Cuarón nicht in Ron-Howardesken Erklärorigen. Er erzählt die recht einfache Geschichte von Theo, der unfreiwilligermaßen zum Bodyguard einer schwangeren Frau wird, ohne groß auf die Hintergründe einzugehen und schafft auch dank eines brillanten Clive Owen als Hauptdarsteller eine ungeheure, fast schon beängstigende Authentizität. Die kongeniale Kamera- und Schnittarbeit tun ihr übriges. Bis zu sechs Minuten ohne Schnitt verleihen Children of Men schon fast Dokumentarcharakter, welche ihn in meinen Augen zum absoluten Klassiker und damit mit Leichtigkeit besten Film der Dekade erhebt.

No country for old men (2007)

Ich hätte ja auch Children of Men zum besten Film des Jahrzehnts auserkoren, aber da der Buzze das schon getan hat, schreibe ich halt über den zweitbesten Film der Dekade – No country for old men.

Als der Vietnam-Veteran Llewelyn Moss (Josh Brolin) in die Wüste jagen geht, stößt er auf den Schauplatz eines gescheiterten Drogendeals und findet neben einiger Leichen, einen Verwundeten und jeder Menge Heroin, einen Geldkoffer mit 2 Millionen Dollar. Moss beschließt diesen Koffer an sich zu nehmen, um sich und seiner Frau ein besseres Leben zu ermöglichen. Blöderweise befinden sich in dem Koffer mehrere Peilsender, was zur Folge hat, dass Moss schon bald von dem psychopathischen Auftragskiller Anton Chigurh (Javier Bardem) verfolgt wird. Der altersmüde Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) schaltet sich in den Fall ein und versucht Moss und dessen Frau zu beschützen. Ab hier beginnt ein mörderisches Katz- und Maus-Spiel.

Wenn No Country for old men auch nicht der beste Film des Jahrzehnts sein sollte, mit der Figur Anton Chigurh erschufen die Gebrüder Coen zumindest den wohl fiesesten Bastard, der in den letzten 10 Jahren die Kinoleinwände heimsuchen durfte. Chigurh ist eine zornige Killermaschine, der zum Töten keine gewöhnliche Pistolen oder Gewehre benutzt, sondern ein per Gasflasche betriebenes Bolzenschussgerät. Wenn ihm jemand auf die Eier geht, hängt das Schicksal seines Gegenübers nicht selten von einer Münze ab.

Doch der Film ist keineswegs eine reine Gewaltorgie. Für mich ist es einfach ein wirklich nervenaufreibender Thriller, der vor allem durch seine wenigen, aber dafür außergewöhnlichen Charaktere, der brillanten Schauspielleitungen und der verdammt gut gelungenen Atmosphäre lebt, welche übrigens völlig ohne musikalische Untermalung auskommt.

Der Herr der Ringe (2001-2003)

Etwas unfair von mir hier gleich drei Filme zu nennen, aber Die Gefährten, Die zwei Türme und Die Rückkehr des Königs sind für mich einfach ein Film. Und was für einer. Lange galt Tolkiens Meisterwerk als unverfilmbar, bis Peter Jackson daher kam und mit seiner Umsetzung einen Meilenstein geschaffen hat, denn selten war ein Film in seiner Gesamterscheinung so stimmig gewesen und so umwerfend in seiner Bilderwucht. Es fängt bei der liebevollen Gestaltung der Charaktere an, geht über die atemraubenden Landschaftsaufnahmen und endet bei den wirklich monumentalen Schlachtszenen. Man merkt einfach an jeder Stelle, dass hier ein Fan des Buches am Werk war.

Ein Film als Musterbeispiel dafür was mit CGI möglich ist, wenn man mit dem Herzen dabei ist und sich nicht auf billige Effekthascherei beschränkt.

Amores Perros (2000)

Von diesem Film hab ich dank eines damaligen Arbeitskollegen erfahren. Amores Perros ist ein Episoden-Film, der aus drei Geschichten in Mexiko Stadt besteht: In der ersten Episode geht es um Octavio, der seiner Familie mit Geld aus gewonnen Hundewettkämpfen ein besseres Leben bieten will. Dann haben wir noch Valeria das Topmodel, das mit einem gutaussehenden Schauspieler liiert ist, aber ihre große Liebe ist in Wahrheit jemand anderes. Zu guter Letzt haben wir dann noch El Chivo, der mit einer Schar von Hunden auf der Straße lebt und sein Geld gelegentlich als Auftragskiller verdient, er trifft seine Tochter auf der Beerdigung seiner damaligen Frau wieder. Diese drei Geschichten verbindet eines, ein schicksalhafter Autounfall, der das Leben aller im Nachhinein verändern soll. Ich weiß nur, dass der Film wahrscheinlich jeden gefesselt hat, der ihn gesehen hat und jeden fesseln wird der ihn sieht, weil die krasse Art wie Liebe, Hass, Tod und zerstörte Träume in diesem Film dargestellt werden, ist eine wahre Achterbahn der Gefühle.

Wer diesen Film mag sollte sich auch 21 Gramm und Babel desselben Regisseurs nicht entgehen lassen, genauso wie man sich Amores Perros nicht entgehen lassen sollte, wenn man 21 Gramm oder Babel super findet.

Kiss Kiss Bang Bang (2005)

In den vergangenen Jahren hat sich Robert Downey Jr. aus den Abgründen des Junkie-Daseins wieder zurück an die Spitze gespielt. Und nach seinen Auftritten in Tropic Thunder, Ironman, Zodiac ist so ziemlich jedem Filmfreund klar, dass der Robbie ne ziemlich coole Sau ist. Die Krone vertrottelter Coolness erreichte er jedoch schon 2005 in der Actionkrimikomödie “Kiss Kiss Bang Bang“.

Darin rutscht Kleinganove Harry (Robert Downey jr.) in ein schwer durchschaubares Netz aus Lügen, Leichen und Intrigen. An seiner Seite: Der schwule Privatdedektiv “Gay Perry” (Val Kilmer) und Harry’s Jugendliebe Harmony (Michelle Monaghan).

Insbesondere die Dialoge sind mehr als gelungen und mit Harry hat die Geschichte eine Hauptfigur, die sekündlich zwischen cooler Hund und totaler Versager wechselt. Der Film ist ein rasanter, witziger Buddymovie, der dem Zuschauer regelmäßig die Zunge rausstreckt, wenn typische Film-Klischees verdreht werden. Wer clevere Gags und spitze Zungen mag, ist hier richtig.

1 Seiten