Irgendwas kann doch hier nicht stimmen. Zuerst heißt es, die Finanzkrise hat seine Gründe auch im fehlenden Vertrauen der Anleger und Banken und nun heißt es aus Expertenkreisen, zu viel Vertrauen in den Aufschwung ist verfrüht.
Gut das kann daran liegen, dass die Banken (“Wir verbrennen auch ihr Geld”) und die Unternehmen eine etwas andere Sicht auf die Dinge haben. Schließlich handeln die Banken gern mit Luft und Liebe und Unternehmen, gerade Industrieunternehmen, doch lieber mit harter Währung. Es kann aber auch daran liegen, dass es einfach zu viele Experten und Fachjournalisten gibt, die doch weniger Ahnung haben, als sie glauben – das sind ja auch nur Menschen.
Ich will ja die Krise nun nicht schönschreiben und ich habe keine große Ahnung von den wirtschaftlichen Zusammenhängen, aber irgendwie wirkt die Berichterstattung zum Thema Finanzkrise extrem negativistisch. Immer wenn es mal etwas Positives zu Berichten gibt, dann wirkt die allgemeine Presse fast enttäuscht darüber.
Das ist sie wahrscheinlich auch, schließlich sind Krisenzeiten immer die großen Zeiten der Presse. Aber wer weiß, wie schlampig manche Redakteure unter steigenden Zeitdruck irgendwelche Agenturmeldungen veröffentlichen, der wird wohl mit mir übereinstimmen, dass ungenaue und unreflektierte Meldungen über die Wirtschaftskrise keine Ausnahme sein werden. Und negative Meldungen sind immer einfacher zu verbreiten als positive.
Das ist fatal, wenn man bedenkt, dass Massenmedien erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung von komplexen Krisen innerhalb der Bevölkerung haben, das wurde in der Kommunikationswissenschaft schon vor Jahrzehnten ausgiebig erforscht. Trotzdem ist es in diesen Tagen etwas anders: So extrem negativ wie die Presse, sieht die Bevölkerung (Weihnachtskaufrausch, Neuwagenkauf) und auch die Unternehmen die wirtschaftliche Lage nicht.
Aus medienwisschenschaftlicher Sicht ist das natürlich ziemlich interessant. Welche Wirkung hat denn die Medienberichterstattung auf die Konjunktur? Eine Studie zu dem Thema hätte, denke ich, durchaus das Zeug zum Klassiker, wie die Kepplinger/Roth-Studie zum Thema Ölkrise 1973, bei der die Presse nachgewiesenermaßen einen erheblichen Einfluss auf die Verschlechterung der Lage hatte.
Aber vielleicht ist die Presse ja diesmal richtig gut informiert ![]()