Irgendwie ist es schon putzig: Da regt sich Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende des nicht gerade kleinen Medienhauses Axel Springer, über die Kostenlosmentalität im Internet auf, beschuldigt die doofen “verirrten Webkommunisten“, dass sie so unglaublich dreist seien, nix für die teuren Agenturmeldungen in seinen Zeitungen zu bezahlen.
So richtig in Rage geredet, schießt er auch scharf in Richtung Google:
“es kann nicht sein, dass die dummen Old-Economy-Guys für viel Geld wertvolle Inhalte erstellen und die smarten New-Technology-Guys sie einfach stehlen und bei ihren Werbekunden vermarkten.”
Abgesehen davon, dass Google eigentlich nur dafür sorgt, dass die Inhalte gefunden werden, also von “stehlen” keine Rede sein kann, macht Mathias “Maniac” Döpfner eins ganz klar: Die Zeit von kostenlos ist jetzt definitiv vorbei!
“Diesen Unsinn haben leider mehr als ein Jahrzehnt alle Verlage der Welt betrieben. Wir waren nicht groß genug, um diesen Wahnsinn allein zu stoppen.”
Der Wahnsinn hat seit Kurzem beim Hamburger Abendblatt und der Berliner Morgenpost ein Ende. Dort kosten viele Artikel jetzt das bare Geld des Lesers – und man wird dann natürlich trotzdem noch mit Werbung zugebombt.
Aber – und jetzt kommt die Ironie ins Spiel – so ganz greift die Döpfner-Logik dann nämlich doch nicht. Die Webkommunisten und Google können nämlich immer noch ohne Probleme komplett kostenlos auf die Inhalte zugreifen.
Dazu kopiere man einfach den Titel eines Bezahl-Artikels der Mopo in die Google-Suchleiste, klickt auf das Suchergebnis und kann ohne irgendetwas zu bezahlen den Artikel lesen. Nur wer auf der Webseite der Zeitung surft, bekommt das “Halt! Bezahlen!”-Schild zu sehen. Wer konsequent googelt, bekommt nach wie vor alles kostenlos.
Von der ganzen Bezahlaktion sind also nicht die Webkommunisten betroffen, die nur mal schnell eine Nachricht lesen wollen, sondern die treuen Leser der Webseite, die immer brav Clicks generieren, weil sie alle Artikel der Morgenpost lesen.
Also nur heiße Luft vom Mann der Old Economy, der den New-Economy-Guys von Google immer noch in den Arsch kriecht, weil sie eben die Leser rankarren – so böse kann Google dann ja wohl doch nicht sein.
Nur der blöde Leser, der soll schön blechen für gekaufte Agenturmeldungen oder anderen “Qualitätsjournalismus”. Wobei, wie hoch ist denn die Qualität, wenn man bei Springer doch noch die Hintertür Google auflässt? So ganz überzeugt von den Inhalten scheint selbst der Verlag nicht zu sein.
So bleibt uns allerdings die wage Hoffnung, dass sich Springer selbst seiner treuen Leser entsorgt. Auch ein Weg Selbstmord zu begehen – wann soll denn BILD im Internet Geld kosten?
PS: Noch einfacher geht es mit dem User Agent Switcher, einem Firefox-Plugin, dass es dem Browser ermöglicht, sich als Google-Suchmaschinen-Bot auszugeben, der darf logischerweise auch sämtliche Bezahlinhalte sehen.