Wo wir gerade beim Thema sind: Warum regen sich eigentlich all über unseren guten Guttenberg auf? Der meinte kürzlich in einem Interview:
“Es macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben.”
Kaum waren sie ausgesprochen, ging vielenBloggernder Hut hoch. Dabei sagt er doch -dank perfektem Politiker-Deutsch – gar nichts gegen die überaus erfolgreiche Online-Petition.
Schließlich macht es ihn nicht betroffen, dass es Menschen gibt, die gegen eine Sperrung von Kinderpornos seien
SONDERN
es macht ihn betroffen, dass pauschal der Eindruck enstehen könnte dem wäre so.
Er nimmt quasi die Unterzeichner der Petition in Schutz vor bösen Menschen, die ihnen unterstellen würden, dass die Gegner der Sperre alle für Kinderpornografie seien. Eigentlich ganz nett von ihm oder? Ich glaube aber irgendwie nicht dran, dass er das so gemeint hat
PS: Bevor mir hier noch irgendwas unterstellt wird, ich hab die Petition auch unterzeichnet und habe bei der letzten Bundestagswahl auch nicht CDU gewählt…
Ich hab gelesen, dass Storytelling eine gute Möglichkeit ist, komplexe Sachverhalte vereinfacht rüberzubringen. Probiere ich doch gleich mal aus:
Es rauscht wieder Wald von Kleinbloggersdorf. Aus den dunkelsten Winkeln und hellsten Lichtungen schallt es laut: Unterschreibt sie, die Petition gegen das Sperren von Internetseiten! Und von all überall aus dem kleinen Wäldchen strömen die Häschen, Wölfe und Hirsche des Waldes, setzen ihr Kürzel unter die Petition und verfallen im kollektiven Schulterklopfen.
Ja – es herrscht große Harmonie im Bloggersdorfer Wald. Ganz klar, die Sperrung von Internetseiten seitens des Bösen Königs Adi ist gemein, sinnlos und gefährlich für die freie Meinungsäußerung, aber die Petition, die wird das schon richten, da sind sich alle einig. So zogen sich die Tiere in ihre dunklen Schlupflöcher zurück und freuten sich über ihre große Tat.
Dumm nur, dass der Bloggersdorfer Wald so klein ist und die meisten Menschen im Deutschen Lande gar nicht wissen, wo er liegt oder ob es ihn überhaupt gibt. Denn neben den Bloggersdorfer Wald gibt es noch weitaus größere Regionen in unserem schönem Heimatland.
Da wäre z. B. das silberne Rentnergebirge, das massiv in den Himmel ragt und immer größer wird oder Hausfrauenhausen, eine Stadt, in der es vor allem um die Gleichstellung ihrer Bewohnerinnen mit denen des geschäftigen Nachbardorf Berufingen geht.
Nicht weit davon entfernt liegt die Metropole Harzingen, kaum einer der Bewohner hat hier genug Geld, um sich bis zum Monatsende versorgen zu können. Auf den vielen breiten Straßen tummeln sich die Adeazehler, eine nicht zu unterschätzende Gruppe hochmotorisierter Straßenrambos, die immer auf der Suche sind, nach sinkenden Spritpreisen und Straßen ohne Tempolimits. Nicht zu vergessen ist natürlich das Tal der Ahnungslosen, in dem sich kaum ein Wandersmann verirrt.
All den Menschen des Landes, die nicht im Bloggersdorfer Wald leben, ist eins gemein: Sie haben nicht die geringste Ahnung, was gerade im dunklen kleinen Wald vorgeht. Schlimmer noch! Sie interessieren sich nicht mal dafür, was für Nöte und Ängste die Bewohner des Waldes befallen haben und von einer Petition wissen sie überhaupt nichts.
Wenn das so bleibt, ist es unwahrscheinlich, dass die Kunde des Widerstandes überhaupt die großen Hallen des Königs erreichen, der diese unsinnige Sperrung der Seiten befohlen hatte. Zu klein ist der Wald. Allein und ohne Alliierte an seiner Seite hat der Bloggersdorfer Wald keine Chance sein sinnvolles Anliegen vorzubringen.
Die Bloggersdorfer brauchen also Hilfe, von den Menschen in den Städten, aus dem Rentnergebirge oder vielleicht sogar dem Tal der Ahnungslosen. Doch dazu muss mehr geschehen als das Rauschen im Walde. Dazu müssen die Tiere den Wald verlassen und in die Städte strömen und erklären, warum es auch für die Hausfrauenhausener wichtig ist, ein freies Internet zu besitzen oder warum auch die mittellosen Harzinger Vorteile durch uneingeschränkte Informationsfreiheit haben.
Vielleicht wäre es auch ein guter Schritt den dicken Sendboten des Königs, aufgrund seines Gewichtes “Presse” genannt, zu kontaktieren. Der Sendbote hat nämlich die Fähigkeit alle Dörfer, Straßen und Gebirge des Landes zu erreichen und Nachrichten zu verkünden. Das könnte letztlich die Bewohner des Reiches im Ziele einen, das unsinnige Gesetz wieder zu kippen. Wenn der Großteil seines Volkes sich gegen den König stellt, dann kann er nicht anders, als das zurückzunehmen, was er fälschlicherweise im Umlauf brachte.
Ihr seht es bedarf mehr, als eines Rauschen im Walde. Eine e-Petition mag zwar ein Anfang sein, die Tiere des Waldes zu einen, aber das allein wird nicht dafür sorgen, dass alle Menschen des Landes dafür einstehen werden. Bisher rauscht es zwar stark im Bloggersdorfer Wald, aber der Sturm sollte schon das ganze Land erfasst werden…