Kultur

Back in the GDR

Blühende Landschaften, das versprach uns Helmut Kohl. Und wenn es nach dem brandenburger Polizeiruf geht, bleibt es auch nur bei diesem Versprechen. Denn grauer ist nicht einmal der Duisburger Schimanski. Lange schon habe ich nicht mehr solch einen schlechten deutschen Krimi gesehen. Und dabei stört mich diesmal nicht einmal die äußerst schwache Handlung. Denn was man diesen Sonntag ertragen musste, tut einem Brandenburger tief im Herzen weh. So ein furchtbares Bild der Heimat wurde selten in die deutschen Wohnzimmer geschickt.

Gerade die Produktionen aus der näheren Umgebung liegen einem besonders am Herzen. So ist das bei mir der Berliner Tatort und eben der brandenburger Polizeiruf, aber bei solch einer Inzenierung schämt man sich ja für seine Heimat.

Diese Tischdecken, diese Tischdecken! Die Bühnenbildner gehören gesteinigt, mehrfach am besten. Ich verstehe ja, dass man zeigen will, dass man im tiefsten Osten der Republik noch etwas der Zeit hinterher läuft. Aber den Zuschauern aus dem Westen, den Eindruck zu vermitteln, man lebe hier immer noch von Lebensmittelmarken und der Krieg sei gerade erst zu Ende, ist dann doch etwas zu viel des Guten.

Es waren neunzig Minuten, die nur so von Stereotypen trieften. Oft konnte man nur eines denken: “Allee, Allee. Eine Straße, viele Bäume, ja das ist eine Allee”. Kann ein Bild Klischeebehafteter sein? Ich könnt kotzen. Seit den Defa-Dokumentationen wurde nicht mehr soviel Film verschwendet.

Und auch die Figuren waren mehr als schwach. Die Jugend macht nur eins: Saufen und randalieren, vorzugsweise mit Handfeuerwaffen. Gut, neben dem Saufen gibt es wirklich nicht viel, aber das ist doch nicht nur im Osten so. Aber flacher geht es  nun wirklich kaum noch. Höchstens dieser patriarschiche Bürgermeister, der versucht die großen Investoren in den Ort zu locken, steht auf der nach oben offenen Klischeeskala noch darüber.

Und natürlich waren auch die Polen dabei, hey, wir sind schließlich in Brandenburg. Das ist doch schon fast Russland, da müssen die Polen doch ihre Finger im Spiel haben? Nix gegen Polen, und nix gegen Polen im Film, aber gab es irgendwelche dramaturgischen Gründe warum es Polen sein mussten?

Und erst dieser Dialekt, oder was ein Dialekt sein soll. Niemand, wirklich NIEMAND spricht so. Weder in Berlin, noch im Umland, wo man eigentlich mehr berlinert als in Berlin, spricht niemand so. Selbst die Pfandsammler von der örtlichen Tankstelle sprechen besser deutsch als die “Schauspieler” im Polizeiruf. Da muss man doch auch als Regisseur mal einmal drüber schauen über die Szene. Ein bisschen Anspruch an Realismus sollte doch jeder haben.

Über die Story möchte ich gar nicht groß reden. Sie war schwach, aber eben eines brandenburgischen Dorfes angemessen. Außer Techtelmechtel mit den Nachbarn gibt es hier eben nicht viel zu tun. Die Inszenierung stand der Handlung in nichts nach, da musste man keine Angst haben, dass das eine dem Anderem die Show stahl. Alles war nicht einmal Mittelmaß. So darf, man einen Polizeiruf nicht inszenieren. Die DDR mag zwar noch in einigen Köpfen hängen geblieben sein, aber sie ist es eben nur da, auf den märkischen Feldern und in den märkischen Wäldern ist sie schon lange nicht mehr zu gegen. Also, zeigt es auch. Gerade im öffentlich-rechtlichen muss man die Klischees doch einmal hinter sich lassen.

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