Kultur

Peinliche Presse

Wenn es nichts zu berichten gibt, dann wird halt irgendwas berichtet. Selbst vom Amoklauf in Winnenden gibt es scheinbar nicht so wirklich viel Neues zu berichten, warum sollte denn sämtliche Medien in Deutschland darauf herumreiten, ob ein Forenbeitrag nun vom Amokläufer stammt oder nicht – und dass obwohl sämtliche Medien liebend gern das “gepflegte Grillen” zitierten.

Auch die großen Journalisten von Spiegel-Online kritisieren jetzt Innenminister Heribert Rech, wie er denn auf so einen Fake reinfallen konnte. SpOn lag der Forenbeitrag auch war aber von den Herren vom Internetleitmedium war diese Geschichte als “wenig glaubwürdig eingestuft worden.”

Trotzdem hatten sie einen kleinen Artikel dazu veröffentlicht. Der wurde natürlich inzwischen gelöscht, man hatte es ja schon vorher gewusst. Immerhin korrigiert SpOn ihre Nachrichten, andere sind da nicht so sorgfältig.

Als viel peinlicher empfand ich das dämliche rumgetwittere der deutschen Presse zum Amoklauf – aber das scheint ja da gerade ganz groß in Mode zu sein. Diese dümmliche Diskussion um den Forenbeitrag wird jedenfalls nichts an dieser schlimmen Tat ändern – aber die Zeitungen und Nachrichtensendungen brauchen halt noch täglich irgendwas Neues zu Winnenden.

Welt

Alles halb so schlimm?!

Irgendwas kann doch hier nicht stimmen. Zuerst heißt es, die Finanzkrise hat seine Gründe auch im fehlenden Vertrauen der Anleger und Banken und nun heißt es aus Expertenkreisen, zu viel Vertrauen in den Aufschwung ist verfrüht.

Gut das kann daran liegen, dass die Banken (“Wir verbrennen auch ihr Geld”) und die Unternehmen eine etwas andere Sicht auf die Dinge haben. Schließlich handeln die Banken gern mit Luft und Liebe und Unternehmen, gerade Industrieunternehmen, doch lieber mit harter Währung. Es kann aber auch daran liegen, dass es einfach zu viele Experten und Fachjournalisten gibt, die doch weniger Ahnung haben, als sie glauben – das sind ja auch nur Menschen.

Ich will ja die Krise nun nicht schönschreiben und ich habe keine große Ahnung von den wirtschaftlichen Zusammenhängen, aber irgendwie wirkt die Berichterstattung zum Thema Finanzkrise extrem negativistisch. Immer wenn es mal etwas Positives zu Berichten gibt, dann wirkt die allgemeine Presse fast enttäuscht darüber.

Das ist sie wahrscheinlich auch, schließlich sind Krisenzeiten immer die großen Zeiten der Presse. Aber wer weiß, wie schlampig manche Redakteure unter steigenden Zeitdruck irgendwelche Agenturmeldungen veröffentlichen, der wird wohl mit mir übereinstimmen, dass ungenaue und unreflektierte Meldungen über die Wirtschaftskrise keine Ausnahme sein werden. Und negative Meldungen sind immer einfacher zu verbreiten als positive. 

Das ist fatal, wenn man bedenkt, dass Massenmedien erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung von komplexen Krisen innerhalb der Bevölkerung haben, das wurde in der Kommunikationswissenschaft schon vor Jahrzehnten ausgiebig erforscht. Trotzdem ist es in diesen Tagen etwas anders: So extrem negativ wie die Presse, sieht die Bevölkerung (Weihnachtskaufrausch, Neuwagenkauf) und auch die Unternehmen die wirtschaftliche Lage nicht. 

Aus medienwisschenschaftlicher Sicht ist das natürlich ziemlich interessant. Welche Wirkung hat denn die Medienberichterstattung auf die Konjunktur? Eine Studie zu dem Thema hätte, denke ich, durchaus das Zeug zum Klassiker, wie die Kepplinger/Roth-Studie zum Thema Ölkrise 1973, bei der die Presse nachgewiesenermaßen einen erheblichen Einfluss auf die Verschlechterung der Lage hatte.

Aber vielleicht ist die Presse ja diesmal richtig gut informiert :P

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