Kultur

30 Rock & ZDFneo

Es kommt sehr selten vor, dass auf US-amerikanischen Webseiten mal über Deutschland diskutiert wird und wenn doch, dann sind die Themen doch sehr häufig stark auf das 3. Reich oder das Oktoberfest reduziert.

Wenn aber hochwertiges amerikanisches Kulturgut im Land der Dichter und Denker verschmäht wird, dann schlägt das im Home of the Brave hohe Wellen. Da wird das extrem schlechte Abschneiden der sehr erfolgreichen amerikanischen Fernsehserie 30 Rock im deutschen Fernsehen fast schon als Beleidigung amerikanischer Werte gesehen.

Für alle, an denen diese Nachricht vorbeigegangen ist: Am Sonntag startete der neue Digital-Kanal ZDFneo, ein Spartenkanal für Menschen zwischen 25 und 50 Jahren. Zur Premiere gab es unter anderem 30 Rock zu sehen und was soll man sagen, die Quoten lagen im nicht messbaren Bereich. Im Klartext heißt das: nicht mal 5000 Menschen haben die Sendung verfolgt.

Jetzt kann man, wie in den USA, eine Debatte über Inhalte führen. Von Verständnis: Es sei schließlich eine sehr amerikanische Serie, die im Ausland nicht unbedingt verstanden wird, bis hin zu ätzenden Kommentaren, was wir Hasslehoff-Fans denn schon von guten Fernsehserien verstünden. Manch einer lobt uns Deutsche auch, wir seien halt Intelligenter und würden uns nicht jeden Mist ansehen.

Viel Blabla also, das am Ende nichts aussagt. Denn über die inhaltliche Ebene braucht man hier erst mal gar nicht reden. ZDFneo ist ein Sender, den der Großteil der Zuschauer in Deutschland nicht mal empfangen kann. Die wenigsten haben tatsächlich einen Digital-Receiver, der zum Empfang benötigt wird.

Von den wenigen, die den Sender tatsächlich sehen können, werden noch viel weniger bemerkt haben, das der Rheuma- und Blasentee-Sender ZDF ein neues “Jugendformat” an den Start bringt.

Auch das ausgewiesene Quotenziel bis 2010 einen Marktanteil auf 0,6% zu schaffen, zeigt, dass die Macher von ZDFneo auch in der nahen Zukunft kaum gewaltige Quoten erwarten werden (was bei einem öffentlich rechtlichen Sender eigentlich eh keine Rolle spielen dürfte).

In Anbetracht dieser Tatsachen ist es also gar nicht so verwunderlich oder gar skandalös, dass kaum jemand bei 30 Rock eingeschaltet hat. Mal abgesehen davon: In den USA ist 30 Rock zwar ein absoluter Kritikerliebling, aber alles andere als ein Quotenrenner ist – kein Grund für dieses lächerliche Netzrauschen also.

Wer trotzdem mal ZDFneo und 30 Rock sehen möchte, aber keinen Digital-Receiver hat, der kann das auch online tun. Beispielsweise über den kostenlosen Streaming-Dienst Zattoo, dort könnt ihr das gesamte öffentlich rechtliche Digital-Bouquet ansehen. Ist doch schön, wenn man auch mal sehen kann, wofür man eigentlich so Gebühren bezahlt.

Heute gibt es übrigens den zweiten Versuch, die ersten beiden Folgen 30 Rock laufen um 22.30 auf ZDFneo. Ob so spät mehr Zuschauer dabei sein werden, darf natürlich bezweifelt werden. Das ist ja auch so ein öffentlich rechtliches Problem: Gute Inhalte ins Nachtprogramm verbannen. Scheinbar fangen die da alle erst um 10 oder 11 an zu arbeiten, da kann man dann auch so spät noch fernsehen.

Trotzdem finde ich die Idee hinter ZDFneo ganz gut, hier kann endlich mal wieder etwas experimentiert werden. Vielleicht springt ja auch mal eine nette Idee für das Hauptprogramm raus. Schauen wir mal…

Netz

Onlinefernsehen – eine Bestandsaufnahme

Die Zukunft des Fernsehens liegt im Internet, das ist keine allzu gewagte Prognose. Wie das Ganze allerdings umgesetzt werden soll, daran scheiden sich die Geister derzeit noch gewaltig.

Die einen halten YouTube mit seinen Spaß- und Unterhaltungsvideoclips schon für die Zukunft – eine Plattform, auf der sich die Jugend von heute ihr „Fernsehprogramm“ zusammenstellt. Das ist in meinen Augen allerdings eher ein Wunschtraum – YouTube Inhalte sind zu stark fragmentiert. 10 Minuten Längenbeschränkung lassen wirkliche Serien- oder Filminhalte noch nicht zu.

YouTube ist also mehr das ADS-Fernsehn für Leute, die sich für normales Fernsehen nicht lang genug konzentrieren können.

Wie das Fernsehen der Zukunft aussehen könnte, zeigt die US-amerikanische Plattform Hulu.com, auf der aktuelle Serien und einige mehr oder weniger hochkarätige Filme zum Streaming bereitstehen. Unterbrochen von kurzen Werbeblöcken, kann man hier die neuste Simpsons-Folge ansehen oder den aktuellen Fall von Dr. House verfolgen. Einziger Nachteil – der Dienst funktioniert nur in den USA. Alle anderen schauen in die Röhre. Der Erfolg gab Hulu bislang recht, auch wenn es derzeit etwas knirscht im Getriebe, sehe ich hier eher die Zukunft des Fernsehens als bei YouTube.

Aber was passiert in Deutschland auf dem Gebiet? Die Fernsehsender aus good ol‘Germany tummeln sich alle mehr oder weniger aktiv im Netz der Netze, wobei keiner eine wirkliche Strategie zu verfolgen scheint.

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Netz

Endlich Volksmusik!

Wer kennt das nicht, du hast gerade total Lust auf Blau blüht der Enzian von Heino, aber auf deinem geliebten Volksmusikradiosender läuft gerade der nervtötendeZillertaler Hochzeitsmarsch der Wildecker Herzbuben – MIST!

Was nun also tun?! Den Lieblingssong illegal downloaden?! Nein, das verstößt ja gegen das Gesetz. Myspace? Da ist der Song nicht zu finden. Den Kopf in den Sand stecken und die trockene Erde mit Tränen befeuchten?! Brauchst du nicht, denn es gibt ja Deezer!

Der französische Webradio-Anbieter macht vieles genauso wie die große Konkurrenz Last.fm, nur irgendwie besser. Das umfangreiche Musikarchiv ist auch ohne Anmeldung abrufbar und einzelne Titel können nicht nur gesucht, sondern auch gleich abgespielt werden – echtes kostenloses Music-on-Demand also!

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Angemeldete Nutzer können diese Songs dann zu ihrer Playlist hinzufügen und einen eigenen Radiosender starten – Einbettungsmöglichkeiten in Blogs natürlich inklusive. Fehlt ein Song, kann er ähnlich wie beim deutschen laut.fm hochgeladen werden. Diese Funktion hat die Musikdatenbank von Deezer auf beeindruckende 3,7 Millionen Songs anwachsen lassen.

Kann das legal sein?! Die klare Antwort: Jain. Zwar hat der Musikdienst bereits ein Abkommen mit der SACEM, dem französischen Ableger der GEMA, wie allerdings die rechtliche Lage bei in Deutschland aussieht, ist noch nicht so ganz klar – tendiert in meinen Augen allerdings in Richtung illegal.

Deswegen werden wir erstmal auf eine Einbettung des Players auf dieser Webseite verzichten. Als Musikdatenbank zum “sofort-mal-reinhören” ist Deezer allerdings wirklich gut zu gebrauchen und wird hier verlinkt demnächst wohl öfter mal auftauchen.

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