Heute mal wieder was aus der Wahlmottenkiste, weil Sonntag ja Stichtag ist. Das waren noch vergnügliche Zeiten, damals im Jahre 1957, jedenfalls für Fans von Wahlwerbespots. Damals gab es noch lustige Zeichentrick-Spots mit unglaublich gut versteckten Propaganda-Botschaften. Kein “Wir haben die Kraft”-Gesäusel, nein, richtige klar verständliche Botschaften.
Mit der Botschaft: “Die Freiheit ist das Größte, doch mancher steckt sie achtlos ein”, könnten heute aber eher die Piraten Werbung machen.
Der zweite Spot greift “den Schritt zurück” wieder auf, diesmal aber mit umgedrehter Botschaft. Man beachte übrigens den schwarzen Bundesbürger im Zug, der hoffentlich Schmitz’ Personal Assistent sein soll – hoffe ich jedenfalls, von wegen Political Correctness.
Der kleine Zwerg mit der Trompete passt aber beim diesjährigen Wahlkampf eher auf unseren kleinen Oskar Lafontaine (auch wenn der weniger Haare hat), als auf den “Charmbolzen” Steinmeier.
Aktuell wie eh und je sind die alten CDU-Spots also. Warum also hat man nicht einfach die alten Spots neu aufgelegt, als so einen lahmen Wahlkampf zu veranstalten?
…jedenfalls bei einer Wahlkampfveranstaltung der SPD. Da wurde extra3 nämlich von den Männern in Grün des Platzes verwiesen, weil sie für eine rot-rote Koalition werben wollten.
Ein schönes Beispiel für das gestörte Verhältnis zur Linken in diesem Lande. Irgendwie macht die SPD so ziemlich alles falsch im Moment, vielleicht knacken sie noch die 20% Marke – nach unten versteht sich…
Seit Wochen schon werden wir von den verschiedenen Parteien mit Wahlkampfplakaten am Wegesrand beglückt, natürlich in der Hoffnung die sympathisch grinsenden HanswürstInnen so toll zu finden, dass wir sie gleich mal wählen würden.
Die CDU geht dabei ganz perfide vor, sie versuchen es doch tatsächlich mit subliminaler Parteiwerbung, also direkt unser Unterbewusstsein zu beeinflussen. Warum sonst würde man so einen blöden Wahlkampfspruch wie “Wir haben die Kraft” gebrauchen, wenn man nicht die Erinnerung an das hier nutzen will:
Eine gewisse Ähnlichkeit zwischen He Man und Angela Merkel ist übrigens nicht von der Hand zu weisen, die beiden haben scheinbar denselben Friseur.
Unglaublich hinterhältig, was die von der CDU mit uns machen! Unterbewusst auf meine Kindheitserinnerungen zuzugreifen, um sich selbst als Masters of the Universe darzustellen! Frevelhaft! Aber ich falle zum Glück nicht darauf rein!
Jetzt bleibt mir nur noch die Frage, wer der Orko der Bundestagswahl ist und wer Skeletor- ich bin für alle Vorschläge offen.
Es hätte so schön sein können. Seit Obama in den USA zum absoluten Massenphänomen wurde und einen völlig neuen Bürgernahen und für Vorschläge offenen Politikertyp definierte. Plötzlich hieß es, die Bürger hätten wieder Lust an der Politik. Das hatte in den USA hervorragend funktioniert, der erste echte Internetwahlkampf der Geschichte hatte einen mehr oder weniger großen Anteil an der Wahl von Obama zum Präsidenten.
In Deutschland, so dachte man sich in den Parteizentralen, sollte so was doch auch möglich sein, also wurden mit viel Aufwand neue Parteiwebseiten aus der Traufe gehoben, die sozialen Netzwerke geentert und YouTube breitflächig mit Videos zugepflastert – doch dann kam Zensursula und ließ alle Hoffnungen über Internet Stimmen zu sammeln zu Staub zerbröseln. Das, so könnte ich mir vorstellen, wird nach dem 27. September die Bilanz des Internetwahlkampfs sein: Schuld sind die doofen Internetnutzer, die wollte nicht mitmachen.
Das ist nicht ganz falsch, greift aber sehr kurz, wenn man sich mal anguckt, was eigentlich als Internetwahlkampf bezeichnet wird. Der ist bei genauerer Betrachtung nämlich alles andere als innovativ, wenig interaktiv und eigentlich total altbacken.
Jedes Käseblatt und Fernsehsender à laCouleur versuchen Teilhabe zu suggerieren, indem sie ihre Leser, Zuschauer und Internetnutzer dazu aufrufen “ihre Fragen” an Spitzenpolitiker zu stellen. Die würden dann Live während Fernsehdebatten eingespielt oder vom Moderator gestellt. WAAAAUUU! Total interaktiver Super-Shit! Echt jetzt.
Was genau man mit dieser Pseudopartizipation erreichen möchte, ist mir schleierhaft. Nehmen wir mal das ZDF-Projekt Open-Reichstag, ein Musterbeispiel, was für seltsame Vorstellungen vom Mitmach-Internet in den alten Medien so herumgeistern. Da soll man seine Fragen an Politiker online hochladen, damit sie dann Live in einer TV-Sendung gestellt werden können. Da frage ich mich: Gehen den Moderatoren und Redaktionen die Fragen aus?
Wem nutzt denn dieses seltsame one-way-Fragenstellen? Das haben doch in der Prä-Obama-Zeit die Moderatoren doch auch allein geschafft, heraus kommt dabei doch auch nur das übliche Wahlkampfblabla – nur das diesmal ein “Internet-User” die Frage gestellt hat. Soll ich deswegen jetzt plötzlich Hurra schreien und wählen gehen? Wohl kaum. Eher werden die Leute, die bei solchen lustigen Frage-Antwort-Spielchen mitmachen einsehen, dass auch bei ihren Fragen nur um den heißen Brei herumgeredet wird und Konzepte fehlen.
Echter Diskurs sieht anders aus, wo sind die Crowdsourcing-Parteiprogramm-Tools, bei der die einzelnen Wahlprogramme bewertet und Alternativvorschläge gemacht werden können. Mit so einem Tool würden die Leute die Programme doch tatsächlich mal lesen! Wo stellen sich Politiker wirklich mal in den Ring und lassen nicht nur eine Frage zu sondern stellen sich einer echten Diskussion.
Das Wichtigste und vielleicht auch einzige, was wirklich wichtig ist, das sind Signale aus der Politik, dass man die Menschen und ihre Ideen ernst nimmt. Nicht, dass man sie verhöhnt, beschimpft und kriminalisiert, wie das bei der Netzsperren-Petition der Fall war.
Echter Internetwahlkampf heißt nicht nur “User Fragen, Politiker antworten”, das ist Einbahnstraßen-Wahlkampf à la Bierzelt. Echter Internetwahlkampf ist Diskussion auf Augenhöhe. Warum nicht mal “Politiker fragen, User antworten”? Das wäre innovativ. Gebt den Bürgern, besser Wählern das Gefühl, dass sie tatsächlich an etwas teilhaben, am Parteiprogramm, am Wahlkampf und am Regieren und ich sage euch, ihr werdet gewählt werden.
Wenn die Politik endlich wieder begreift, dass das Grundübel der Politikverdrossenheit, nicht die Arbeitslosigkeit oder die Wirtschaftskrise, sondern das Gefühl der Machtlosigkeit ist, erst dann sehe ich Chancen, dass die Menschen sich wieder ernsthaft mit Politik auseinandersetzen.
Eigentlich wollte ich mich nicht mehr fragen, ob unsere Politiker denn wahlweise strunzblöd oder einfach nur ignorant sind. Aber es verdichten sich dann doch so langsam die hinweise, dass Ersteres der Fall sein könnte.
Wie sonst kommt eine Meldung wie diese zustande: Politiker befürchtenTwitter-Manipulationbei Bundestagswahl. Mal ganz ehrlich, wie kommt man eigentlich auf so eine dumme Scheiße? Entschuldigt meine harschen Worte, aber ich glaube es ist an der Zeit, Dinge beim Namen zu nennen.
Der Bundeswahlleiter und einige Abgeordnete der Union und SPD befürchten, dass Ergebnisse vonExit Polls(einer Befragung der Wähler unmittelbar nach Stimmabgabe) schon vor dem Schließen der Wahllokale über Twitter veröffentlicht und damit Unentschlossene bei ihrer Wahl beeinflusst werden könnten. Dabei scheinen die Jungs und Mädels zu vergessen, dass man solche Infos schon sehr lange und auch ohne Twitter durchs Netz jagen konnte, warum also nun die große Sorge? Wegen derPosse zur Bundespräsidentenwahl? Als Abgeordnete das sowieso schon für jeden klare Ergebnis twitterten?
Betrachten wir das doch Mal ganz nüchtern: Die Herren von der Union und SPD müssen sich keine Sorgen machen, dass durch Twitter beeinflusst werden könnte. Die Menschen, die sich in Twitter rumtreiben, wählen nach der unsäglichen Zensurusla-Geschichte sowieso keine Volkspartei mehr. Also keine Sorge CDU und SPD, unsere Stimmen habt ihr sowieso nicht mehr…