Netz

Qwiki – Kunst trifft Suchmaschine

Leben, Netz, Sport

Sonntagslese (#62)

+++ Ein Blog voller Bilder von Wodka-Flaschen +++ uhrgeil: Drei Typen sagen die genaue Uhrzeit +++ Das World Cup 2010 Twitter replay zeigt dir, wie Twitter die WM-Spiele verfolgt hat. +++ Beim Smashing Magazine gibt es eine Anleitung zum richtigen Löschen deines Accounts von Seiten wie Facebook, MySpace, Amazon, Youtube, Twitter usw. +++ Wer nicht mehr bei Facebook angemeldet ist, der muss nicht zwingenderweise auf dem “Gefällt mir”-Button verzichten, den gibts jetzt auch offline. +++ Hier mal ein etwas anderer WM-Kalender (via) +++ Da wir heute ganz im Zeichen der WM stehen, wird es auch Zeit für die schlechtesten WM-Songs 2010: grauenhaft +++ Als ausgleich nun etwas schönes: FFFFOUND! ist ein Bookmarking-Dienst für tolle Bilder. Genau das richtige für Designer, Fotografen oder Gelegenheitskünstler +++ Lustiges gibts bei FFFFOUND! auch: Jetzt weiß ich endlich wie man Enten malt +++ Auf dem Ding würde ich auch gerne mal Billard spielen +++ Wer nach unserer tollen Sonntaglese und der Fußball-WM immer noch Langweile haben sollte, hier 521 Flash-Games aller erster Güte +++

Kultur

GEZ goes Öko

Ja gibt’s denn so was, seit Neustem macht die GEZ auf Kuschelkurs und spendiert sich neben neuer Diskussionsplattform auch ein neues Logo. Das sieht zwar eher aus wie ein Öko-Apfelbauer-Logo, aber es ist halt grün – wie die Hoffnung.

Von der müssen sie auch angetrieben worden sein, denn anders ist die neue Webseite gez-meine-meinung.de nicht zu erklären. Da heißt es:

“Die GEZ und das Rundfunkgebührensystem liefern einigen Diskussionsstoff. Dessen sind wir uns bewusst und diesem Dialog möchten wir uns stellen.”

Da bewegen sich die Gebühreneinzieher allerdings auf ganz dünnem Eis, wenn ihr mich fragt. Vor allem, wenn von einem Dialog noch überhaupt nichts zu sehen ist. Auf der Webseite gibt es zwar “Mitarbeiter-Blogs“, ein Forum und ein – huch wie altbacken – Chat, aber so viele GEZler scheinen da nicht unterwegs zu sein. Die User/Kunden/Bürger bleiben hier derzeit noch unter sich.

So lange werden sie aber dort nicht bleiben, das kann ich schon voraussagen. Denn das Forum hat, wie es sich bei einer Behörde gehört, nämlich Öffnungszeiten (!!). Montag bis Freitag 8 bis 22 Uhr darf hier geschrieben werden. Alles, was gegen die Regeln verstößt, wird aber auch gleich wieder gelöscht.

Abgesehen von dieser etwas seltsamen Gängelung ist das Forum auch noch sehr unübersichtlich, es gibt nur ein einziges Unter-Forum, wo sich derzeit unendlich viele sinnlose und sinnvolle Beiträge verstecken. So ganz durchdacht scheint das nicht zu sein.

Was es überhaupt bringen soll, noch ein GEZ-(Stänker)-Forum aufzumachen – und das auch noch gebührenfinanziert – kann ich auch nicht nachvollziehen. Dass die Rundfunkgebühren in ihrer jetzigen Form keine große Unterstützung in der Bevölkerung erfährt, sollte inzwischen ja auch bei der GEZ angekommen sein, da hilft auch die angebotene Dialogbereitschaft nichts – vor allem, wenn von Dialog bisher weit und breit nichts zu sehen ist.

Alles in allem war die GEZ hier wohl eher sehr schlecht beraten. Wer hat denen nur diesen Web2.0-Quatsch aufgeschwatzt? Jeder der sich halbwegs im Internet auskennt weiß, dass bei solch einem schlechten Image, wie die GEZ es hat, ist es virtueller Selbstmord solch einen Vorstoß zu wagen.

Jedenfalls, wenn es so schlecht umgesetzt wird und tatsächlich überhaupt keine Interaktion zwischen Behörde und Nutzer stattfindet. Hier müssten jetzt schon ausgemachte Web2.0-Profis arbeiten und in Blog- und Forenbeiträgen mit den Leuten in Konakt treten und sinnvolle Diskussionen anregen. Denn ohne Frage könnte man das Image der GEZ aufbessern, wenn sie mal ganz klar sagen würde, dass nicht sie die Gebühren machen, sondern “nur” einziehen.

So wie es jetzt läuft, werden sich die nächsten Tage wohl nur noch die Trolle austoben, aber auch die werden irgendwann mal die Lust verlieren. Was dann da noch groß passieren soll, das müssen mir die PR-Berater der GEZ mal erklären. Fairerweise sei aber noch angemerkt, dass das Portal gerade erst gestartet ist. Vielleicht sollte man noch den ersten “Experten-Chat” am 22.02. mit dem GEZ-Marketing-Chef Adalbert von Cramm abwarten, bevor man den Abgesang der Plattform anstimmt.

In der bisherigen Form schadet sie der GEZ allerdings mehr, als sie nutzt.

Kultur, Netz

Sonntagslese (#44)

+++ Bewegte Motive eindrucksvoll eingefroren +++ Beeindruckende Bäume gibt es heut gratis dazu +++ Wo wir schon bei Bildern sind, auch schnöde Zahlen, kann man in coole Infografiken verwandeln – hier zum Thema Web2.0 +++ Wer seinen Hund in Szene setzen möchte sollte sich bei dogshot mal umsehen +++ Auch Olga Samuels macht super Bilder von Tieren +++ Der Weltraum… unendliche Weiten. Das bekannte Universum in einem Video. +++ Die Evolutionsgeschichte an eine Brücke gemalt. Das schreit ja nach dem wahrscheinlich ersten Fall von kreationistischem Vandalismus. +++ Schnauze voll vom Web 2.0? Die Web 2.0 Suicide Machine hilft dir beim digitalen Ausstieg und gibt dir dein reales Leben zurück. Wer will, kann seinen digitalen Selbstmord übrigens live mitverfolgen. +++

Netz

Was ist eigentlich dieses Google Wave?

Gestern kam die Frage auf, was dieses ominöse Google Wave sein soll, das gerade in allen Medien rauf und runter gehyped wird und das Datenschützer auf den Plan ruft, die eigentlich noch gar nicht so recht wissen, worum es geht, aber schon mal vor der Benutzung warnen.

Um es gleich mal vorweg zu sagen: Was Google Wave eigentlich ist, ist ungefähr so leicht zu beantworten wie die Frage, was Twitter eigentlich sei. Wave kann also alles und auch wieder nichts sein, je nach Anwendungsszenario.

Hier mal ein gutes Video, dass EIN Anwendungsszenario durchkaut, auf das Google Wave im Moment häufig reduziert wird: Der Einsatz als Mail-Ersatz.

Anders als E-Mail werden also nicht Mails an alle beteiligten versendet, sondern alle greifen auf eine “Mail” gleichzeitig zu. Das nennt man aber nicht mehr Mail, sondern Wavelet. Innerhalb dieses Wavelets schreiben die Empfänger/Sender in kleinen Textbausteinen, die eindeutig den Autoren zugeordnet werden können, denn neben diesen Blips prangert ein mehr oder weniger aussagekräftiges Bild.

Im Video wird schon deutlich, der Nutzen von Wave ist nicht beschränkt auf das mailen. Es kann im Grunde auch ein Forum ersetzen, bei dem bestimmte Themen in Wavelets behandelt werden. Die User Antworten über Blips.

Auch möglich ist ein Einsatz als Wiki, schließlich können alle die Wavelets bearbeiten und alles bleibt nachverfolgbar.

Genauso gut funktioniert Wave als Kollaborativ-Tool, dass eine gemeinsame Arbeit an einem Dokument ermöglicht. Die offene Schnittstelle ermöglicht es dabei, dass man während des Arbeitens an einem Dokument oder einer Präsentation über Voice- oder Videochat Kontakt hält und sich bespricht – perfekt für Projektarbeiten.

Netz, Politik

Laber-Wahlkampf

Openreichstag auf Youtube

Es hätte so schön sein können. Seit Obama in den USA zum absoluten Massenphänomen wurde und einen völlig neuen Bürgernahen und für Vorschläge offenen Politikertyp definierte. Plötzlich hieß es, die Bürger hätten wieder Lust an der Politik. Das hatte in den USA hervorragend funktioniert, der erste echte Internetwahlkampf der Geschichte hatte einen mehr oder weniger großen Anteil an der Wahl von Obama zum Präsidenten.

In Deutschland, so dachte man sich in den Parteizentralen, sollte so was doch auch möglich sein, also wurden mit viel Aufwand neue Parteiwebseiten aus der Traufe gehoben, die sozialen Netzwerke geentert und YouTube breitflächig mit Videos zugepflastert – doch dann kam Zensursula und ließ alle Hoffnungen über Internet Stimmen zu sammeln zu Staub zerbröseln. Das, so könnte ich mir vorstellen, wird nach dem 27. September die Bilanz des Internetwahlkampfs sein: Schuld sind die doofen Internetnutzer, die wollte nicht mitmachen.

Das ist nicht ganz falsch, greift aber sehr kurz, wenn man sich mal anguckt, was eigentlich als Internetwahlkampf bezeichnet wird. Der ist bei genauerer Betrachtung nämlich alles andere als innovativ, wenig interaktiv und eigentlich total altbacken.

Jedes Käseblatt und Fernsehsender à la Couleur versuchen Teilhabe zu suggerieren, indem sie ihre Leser, Zuschauer und Internetnutzer dazu aufrufen “ihre Fragen” an Spitzenpolitiker zu stellen. Die würden dann Live während Fernsehdebatten eingespielt oder vom Moderator gestellt. WAAAAUUU! Total interaktiver Super-Shit! Echt jetzt.

Was genau man mit dieser Pseudopartizipation erreichen möchte, ist mir schleierhaft. Nehmen wir mal das ZDF-Projekt Open-Reichstag, ein Musterbeispiel, was für seltsame Vorstellungen vom Mitmach-Internet in den alten Medien so herumgeistern. Da soll man seine Fragen an Politiker online hochladen, damit sie dann Live in einer TV-Sendung gestellt werden können. Da frage ich mich: Gehen den Moderatoren und Redaktionen die Fragen aus?

Wem nutzt denn dieses seltsame one-way-Fragenstellen? Das haben doch in der Prä-Obama-Zeit die Moderatoren doch auch allein geschafft, heraus kommt dabei doch auch nur das übliche Wahlkampfblabla – nur das diesmal ein “Internet-User” die Frage gestellt hat. Soll ich deswegen jetzt plötzlich Hurra schreien und wählen gehen? Wohl kaum. Eher werden die Leute, die bei solchen lustigen Frage-Antwort-Spielchen mitmachen einsehen, dass auch bei ihren Fragen nur um den heißen Brei herumgeredet wird und Konzepte fehlen.

Echter Diskurs sieht anders aus, wo sind die Crowdsourcing-Parteiprogramm-Tools, bei der die einzelnen Wahlprogramme bewertet und Alternativvorschläge gemacht werden können. Mit so einem Tool würden die Leute die Programme doch tatsächlich mal lesen! Wo stellen sich Politiker wirklich mal in den Ring und lassen nicht nur eine Frage zu sondern stellen sich einer echten Diskussion.

Das Wichtigste und vielleicht auch einzige, was wirklich wichtig ist, das sind Signale aus der Politik, dass man die Menschen und ihre Ideen ernst nimmt. Nicht, dass man sie verhöhnt, beschimpft und kriminalisiert, wie das bei der Netzsperren-Petition der Fall war.

Echter Internetwahlkampf heißt nicht nur “User Fragen, Politiker antworten”, das ist Einbahnstraßen-Wahlkampf à la Bierzelt. Echter Internetwahlkampf ist Diskussion auf Augenhöhe. Warum nicht mal “Politiker fragen, User antworten”? Das wäre innovativ. Gebt den Bürgern, besser Wählern das Gefühl, dass sie tatsächlich an etwas teilhaben, am Parteiprogramm, am Wahlkampf und am Regieren und ich sage euch, ihr werdet gewählt werden.

Wenn die Politik endlich wieder begreift, dass das Grundübel der Politikverdrossenheit, nicht die Arbeitslosigkeit oder die Wirtschaftskrise, sondern das Gefühl der Machtlosigkeit ist, erst dann sehe ich Chancen, dass die Menschen sich wieder ernsthaft mit Politik auseinandersetzen.

Netz

Gruppenwichsen in Berlin

Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen heißt es so schön, aber ich glaub ich hab heut Lust ein paar Scheiben zu zertrümmern. Oder kann mir jemand mal erklären, was zum Teufel eigentlich so wahnsinnig toll an dieser total Web2.0-Laber-Konferenz re:publica sein soll?!

Seit drei Jahren findet die große Social-Media-Konferenz nun statt und immer noch gibt’s dort nichts, aber auch wirklich gar nichts von Belang zu sagen. Dafür gibt’s dann halt von allen ein bisschen: Werbung, altbekanntes, Überflüssiges, aber natürlich auch ein ganz klein wenig Nützliches.

Trotzdem bleibt meist nur der überflüssige Grundtenor, das wir coolen Blogger und Web2.0-Freaks eigentlich die absolute Elite und Zukunft der Medien sein sollen – zumindest ein wichtiger Teil der Medien von Morgen. Dass dem – zumindest in Deutschland – sicherlich nicht so sein wird, sollte sich aber auch auf der re:publica herumgesprochen haben. Für die hiesigen Medien sind wir nach wie vor Klickvieh, das inzwischen halt mit Facebook, Twitter und Redaktionsblogs zugemüllt wird.

Zu mehr taugt die deutsche Blogosphäre leider nicht. Wenn man sieht, welche gesellschaftlichen Diskurse in anderen Ländern in Blogs gefochten werden, der kann sich nur wundern, dass Deutschlands Blogosphäre noch vor der aus Österreich liegt.

Wenn in Deutschland Blogs in den Massenmedien auftauchen, dann sind das meist die, die sowieso schon von Journalisten oder Medienfuzzies betrieben werden – selbstreferenzielles Gedöns halt. Blogs sind in Deutschland zum Resonanzraum der Medien verkommen, zu Linkschleudern für Spiegel & Co. Und wenn sich Blogs nun deswegen für gesellschaftlich unverzichtbar halten, dann begehen sie denselben Fehler, wie die Massenmedien.

Medienjournalisten, Blogger und Twitterer sind nun mal nicht die Gesellschaft, sie sind ein stark mit sich selbst vernetztes Subsystem. Das ist im Moment scheinbar so extrem mit sich selbst beschäftigt, dass es nicht merkt, welchen Stellenwert Blogs, Twitter und Social Media eigentlich wirklich haben – in Deutschland nämlich so gut wie keinen. Na gut, wenn man als hipper A-List-Blogger nur mit schleimenden Blog-Groupies zu tun hat, die eh zu allem beipflichten und total dufte finden, dann kann man schon mal das große Ganze aus den Augen verlieren.

Aber was schreibe ich hier, Fefe hat es eigentlich schon treffend formuliert: “Draußen geht die Welt unter und in Berlin treffen sich die belanglosen Labertaschen zum gemeinsamen Synchron-Twitter-Wichsen mit eigener Flickr-Group?”

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