Kultur, Netz

Stoppschildanwärter (I): Twitter

Eigentlich wollte ich mich nicht mehr fragen, ob unsere Politiker denn wahlweise strunzblöd oder einfach nur ignorant sind. Aber es verdichten sich dann doch so langsam die hinweise, dass Ersteres der Fall sein könnte.

Wie sonst kommt eine Meldung wie diese zustande: Politiker befürchten Twitter-Manipulation bei Bundestagswahl. Mal ganz ehrlich, wie kommt man eigentlich auf so eine dumme Scheiße? Entschuldigt meine harschen Worte, aber ich glaube es ist an der Zeit, Dinge beim Namen zu nennen.

Der Bundeswahlleiter und einige Abgeordnete der Union und SPD befürchten, dass Ergebnisse von Exit Polls (einer Befragung der Wähler unmittelbar nach Stimmabgabe) schon vor dem Schließen der Wahllokale über Twitter veröffentlicht und damit Unentschlossene bei ihrer Wahl beeinflusst werden könnten. Dabei scheinen die Jungs und Mädels zu vergessen, dass man solche Infos schon sehr lange und auch ohne Twitter durchs Netz jagen konnte, warum also nun die große Sorge? Wegen der Posse zur Bundespräsidentenwahl? Als Abgeordnete das sowieso schon für jeden klare Ergebnis twitterten?

Betrachten wir das doch Mal ganz nüchtern: Die Herren von der Union und SPD müssen sich keine Sorgen machen, dass durch Twitter beeinflusst werden könnte. Die Menschen, die sich in Twitter rumtreiben, wählen nach der unsäglichen Zensurusla-Geschichte sowieso keine Volkspartei mehr. Also keine Sorge CDU und SPD, unsere Stimmen habt ihr sowieso nicht mehr…

Netz

Wir sind China

Da die Zensurpläne der Bundesregierung so langsam aber sicher umgesetzt werden, hat sich Peter Kröner gedacht: “Wat die können, können wir doch schon lange” und hat ein kleines Plugin für WordPress geschrieben, das den Spieß mal umdreht.

Denn wer das Plugin aktiviert, sperrt sämtliche Besucher von Behördenrechner aus. Statt hochwertigen Bloginhalten sehen die dann ein Bildchen der allseits beliebten Zensurusla.

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Die Sperrliste ist anders als die vom BKA allerdings öffentlich einsehbar, denn sie stammt von uberwach.de, die IP-Adressen von Behörden, Ministerien und Parteien sammelt und veröffentlicht.

Wie mit so einem Plugin die Blogosphäre in Deutschland von der Politik als Gegenöffentlichkeit wahrgenommen werden soll, bleibt mir aber ein Rätsel.

Als Spaßaktion dennoch lustig anzusehen…

Leute

Was hat dich bloß so ruiniert?

Es gibt nicht viele Politiker die einem von Grund auf sympathisch erscheinen. Die, trotz ihrer nicht immer perfekten Arbeit, dennoch einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Mit denen man sich, obwohl einer völlig anderen Gesellschaftsschicht entstammend, verbunden fühlen kann. Denen man auch verzeiht, dass sie in der falschen Partei sind.

Ursula von der Leyen war für mich immer solch eine Politikerin. Was so eine, ich sag es einfach einmal wie es ist, attraktive Frau in der Union zu suchen hatte war mir immer ein Rätsel. Ich dachte jedes mal wenn sie auf meinem Fernsehschirm erschien, dass die Frau ja wissen müsse was in familienpolitischen Fragen zu tun sei, denn sie war die Frau mit der man gerne eine Familie gründen würde. Sie war eine Art Leuchtturm im dunklen Meer, der hässlichen, weltfremden, uneloquenten Politikerinnen in ihren Jutesäcken und ihren Kostümen wie Korsetts aus viktorianischer Zeit. Sie hatte eine Ausstrahlung die ihr Würde verlieh. Wenn sie den Raum einer Pressekonferenz betrat erfüllte ihre Anmut alle Anwesenden und hob die Politik auf eine andere Ebene. Sie hatte etwas metaphysisches an sich. Sie wirkte trotz, oder gerade wegen, ihres Alters auf mich jedenfalls immer recht anziehend, denn sie brachte etwas menschliches in die graue Welt der Politik.

by hoi polloi

by hoi polloi

Ja, ich hab mich von ihrem Äußeren und ihrer Ausstrahlung täuschen lassen. Ich fühle mich schlecht, ich fühle mich schuldig. Zeigt mit euren Fingern auf mich, lacht mich aus. Ich habe es verdient. Aber wie heißt es in der Bibel? Der der ohne Sünde ist - und noch nie sexuelle Fantasien mit Politikern hatte – werfe den ersten Stein.

Allerdings, vielleicht besteht ja noch Hoffnung. Vielleicht handelt sie ja auch nicht aus Überzeugung so, sondern nur weil die Merkelin hinter ihr steht und mit den Wahlprognosen droht. Vielleicht hat sie sich einfach ans System verkauft. Ich betete dafür.
Bitte Ursula, sei wieder wie früher. Sei die hübsche Frau, welche die Tagesschau aufhellte. Bitte.

Netz

Der Eindruck zählt

Wo wir gerade beim Thema sind: Warum regen sich eigentlich all über unseren guten Guttenberg auf? Der meinte kürzlich in einem Interview:

“Es macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben.”

Kaum waren sie ausgesprochen, ging vielen Bloggern der Hut hoch. Dabei sagt er doch -dank perfektem Politiker-Deutsch – gar nichts gegen die überaus erfolgreiche Online-Petition.

Schließlich macht es ihn nicht betroffen, dass es Menschen gibt, die gegen eine Sperrung von Kinderpornos seien

SONDERN

es macht ihn betroffen, dass pauschal der Eindruck enstehen könnte dem wäre so.

Er nimmt quasi die Unterzeichner der Petition in Schutz vor bösen Menschen, die ihnen unterstellen würden, dass die Gegner der Sperre alle für Kinderpornografie seien. Eigentlich ganz nett von ihm oder? Ich glaube aber irgendwie nicht dran, dass er das so gemeint hat :)

PS: Bevor mir hier noch irgendwas unterstellt wird, ich hab die Petition auch unterzeichnet und habe bei der letzten Bundestagswahl auch nicht CDU gewählt…

Netz

Das Märchen von der ePetition…

Ich hab gelesen, dass Storytelling eine gute Möglichkeit ist, komplexe Sachverhalte vereinfacht rüberzubringen. Probiere ich doch gleich mal aus:

Es rauscht wieder Wald von Kleinbloggersdorf. Aus den dunkelsten Winkeln und hellsten Lichtungen schallt es laut: Unterschreibt sie, die Petition gegen das Sperren von Internetseiten! Und von all überall aus dem kleinen Wäldchen strömen die Häschen, Wölfe und Hirsche des Waldes, setzen ihr Kürzel unter die Petition und verfallen im kollektiven Schulterklopfen.

Ja – es herrscht große Harmonie im Bloggersdorfer Wald. Ganz klar, die Sperrung von Internetseiten seitens des Bösen Königs Adi ist gemein, sinnlos und gefährlich für die freie Meinungsäußerung, aber die Petition, die wird das schon richten, da sind sich alle einig. So zogen sich die Tiere in ihre dunklen Schlupflöcher zurück und freuten sich über ihre große Tat.

Dumm nur, dass der Bloggersdorfer Wald so klein ist und die meisten Menschen im Deutschen Lande gar nicht wissen, wo er liegt oder ob es ihn überhaupt gibt. Denn neben den Bloggersdorfer Wald gibt es noch weitaus größere Regionen in unserem schönem Heimatland.

Da wäre z. B. das silberne Rentnergebirge, das massiv in den Himmel ragt und immer größer wird oder Hausfrauenhausen, eine Stadt, in der es vor allem um die Gleichstellung ihrer Bewohnerinnen mit denen des geschäftigen Nachbardorf Berufingen geht.

Nicht weit davon entfernt liegt die Metropole Harzingen, kaum einer der Bewohner hat hier genug Geld, um sich bis zum Monatsende versorgen zu können. Auf den vielen breiten Straßen tummeln sich die Adeazehler, eine nicht zu unterschätzende Gruppe hochmotorisierter Straßenrambos, die immer auf der Suche sind, nach sinkenden Spritpreisen und Straßen ohne Tempolimits. Nicht zu vergessen ist natürlich das Tal der Ahnungslosen, in dem sich kaum ein Wandersmann verirrt.

Die deutschen Landen  http://www.et-jeht-so.de/leben/das-marchen-von-der-epetition/

All den Menschen des Landes, die nicht im Bloggersdorfer Wald leben, ist eins gemein: Sie haben nicht die geringste Ahnung, was gerade im dunklen kleinen Wald vorgeht. Schlimmer noch! Sie interessieren sich nicht mal dafür, was für Nöte und Ängste die Bewohner des Waldes befallen haben und von einer Petition wissen sie überhaupt nichts.

Wenn das so bleibt, ist es unwahrscheinlich, dass die Kunde des Widerstandes überhaupt die großen Hallen des Königs erreichen, der diese unsinnige Sperrung der Seiten befohlen hatte. Zu klein ist der Wald. Allein und ohne Alliierte an seiner Seite hat der Bloggersdorfer Wald keine Chance sein sinnvolles Anliegen vorzubringen.

Die Bloggersdorfer brauchen also Hilfe, von den Menschen in den Städten, aus dem Rentnergebirge oder vielleicht sogar dem Tal der Ahnungslosen. Doch dazu muss mehr geschehen als das Rauschen im Walde. Dazu müssen die Tiere den Wald verlassen und in die Städte strömen und erklären, warum es auch für die Hausfrauenhausener wichtig ist, ein freies Internet zu besitzen oder warum auch die mittellosen Harzinger Vorteile durch uneingeschränkte Informationsfreiheit haben.

Vielleicht wäre es auch ein guter Schritt den dicken Sendboten des Königs, aufgrund seines Gewichtes “Presse” genannt, zu kontaktieren. Der Sendbote hat nämlich die Fähigkeit alle Dörfer, Straßen und Gebirge des Landes zu erreichen und Nachrichten zu verkünden. Das könnte letztlich die Bewohner des Reiches im Ziele einen, das unsinnige Gesetz wieder zu kippen. Wenn der Großteil seines Volkes sich gegen den König stellt, dann kann er nicht anders, als das zurückzunehmen, was er fälschlicherweise im Umlauf brachte.

Ihr seht es bedarf mehr, als eines Rauschen im Walde. Eine e-Petition mag zwar ein Anfang sein, die Tiere des Waldes zu einen, aber das allein wird nicht dafür sorgen, dass alle Menschen des Landes dafür einstehen werden. Bisher rauscht es zwar stark im Bloggersdorfer Wald, aber der Sturm sollte schon das ganze Land erfasst werden…

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