Welt

Krisenbewältigung

Jeden Tag lesen wir neue Meldungen zur Finanzkrise und jeden Tag scheinen die Zahlen immer größer zu werden. Insgesamt sei jetzt von einer weltweiten Geldvernichtung im Wert von 1,1 Billionen Euro die Rede. Um diese Zahl zu veranschaulichen sei gesagt, dass dies in etwa dem Betrag entspricht, der nötig wäre um in Afrika 25 Jahre lang die Armut zu bekämpfen. Die EU-Kommission hat ihren Mitgliedsländern heute ein Konjunkturprogramm in Höhe von 200 Milliarden Euro vorgeschlagen, um einen zu starken Durchschlag der Finanzkrise auf die Realwirtschaft zu verhindert. Doch kann man ernsthaft noch glauben, dass dieser „Durchschlag“ gemindert werden kann? Schon jetzt stoppen die großen Automobilunternehmen ihre Produktion und seit letzter Woche Mittwoch wissen wir durch das Beispiel BASF, dass sich die Finanzkrise nicht nur auf die Immobilien-, Automobil- und Bankenbranche beschränkt. Ganz im Gegenteil. Wir müssen davon ausgehen, dass alle Bereiche des ökonomischen Lebens von dieser Krise betroffen sein und dass Millionen von Jobs verloren gehen werden. Diese Krise wird eine der stärksten seit 1929, was alleine schon ihre Ausbreitungsgeschwindigkeit beweist. Gingen die Wirtschaftsweisen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im Oktober, für das Jahr 2009 noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,0% aus, so revidierten sie innerhalb von 6 Wochen ihre Annahme um 1,9% nach unten auf ein Minuswachstum von 0,9%. Dies wäre ein Wert, den die deutsche Wirtschaft erst zwei Mal in ihrer Geschichte erreicht hatte und zwar nach dem Abflauen des Einheitskaufrausches 1993 und nach dem Ölschock 1975. Und wir wissen nicht welche Zahlen morgen veröffentlicht werden.

Doch wie kam es eigentlich zu dieser Krise? Drehen wir die Zeit ein wenig zurück. In den letzten Jahren waren die Zinsen niedrig und „billiges Zentralbankgeld“ war im Überfluss vorhanden. Das machten sich die Investmentbanken in den USA zu nutzen und vergaben übermäßig viele Immobilienkredite. Auch an Menschen, die über wenig bis gar kein Eigenkapital verfügten. Häuser wurden in Massen gebaut, was wiederum die Preise für Immobilien in die Höhe trieb. Um das Risiko loszuwerden, auf Krediten „sitzenzubleiben“ verkauften viele Banken potenzielle „faule Kredite“. Diese Schuldscheine wurden als Wertpapiere international gehandelt und genau wie die Häuser in die Höhe getrieben, da man, wenn ein Häuslebauer die Raten nicht mehr zahlen konnte, ja immer noch das Haus hatte, das man auf dem Markt lukrativ, teilweise mit einer Gewinnsteigerung von mehr als 100% verkaufen konnte. Als die Preise jedoch sanken, da die Zinsen, aufgrund der Inflationsgefahr, angehoben wurden und niemand mehr Häuser baute, wurden Zweifel am wirklichen Wert dieser “Schuldscheinwertpapiere” laut. Nachdem eine Welle der Zwangsversteigerungen von Häusern über die USA hereinbrach, brach gleichzeitig auch Panik an den Aktienmärkten dieser Welt aus. Alle wollten ihre „faulen Kredite“ loswerden aber niemand kaufte mehr welche. Der Markt, auf dem diese Kredite gehandelt wurden brach ein und kam gänzlich zum erliegen. Die großen Banken dieser Welt zockten ordentlich mit und mussten am Ende deutliche Verluste abschreiben. Zur Folge hatte dies, dass die Anleger verunsichert sind und ihr Geld abziehen, was wiederum bedeutet, dass die Banken keine Kredite mehr vergeben, was dann dazu führt, dass die Menschen weniger kaufen, also der Konsum einbricht und daraufhin die Gewinne der Firmen noch weiter sinken, diese Investitionen nicht tätigen und Arbeiter entlassen müssen, was die Folge hat, dass Arbeitslosigkeit entsteht, usw…

Doch wie verhindert man diesen „Teufelskreislauf“? Die deutsche Bundesregierung mit Angela Merkel als Bundeskanzlerin verfolgt eine Politik, so stand es heute bei SPIEGEL ONLINE, „ der praktischen Vernunft“. Sie vertraut auf die „Stärke Deutschlands“. Deutschland ist stark, ich sage sogar, Deutschland ist sehr stark.” sagte sie heute im Bundestag und verwies auf die Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der Staatsverschuldung. Deshalb lehnt sie auch ein wirkliches Konjunkturprogramm ab und versucht mit dem Feuerwehrprinzip die Krise zu meistern. Doch dieses Prinzip immer nur dort zu löschen wo es schon brennt ist kontraproduktiv. Das bestätigte gestern auch schon die OECD, die kritisierte, dass Deutschland zwar Bürgschaften für einzelne Industriezweige, wie bspw. der Autoindustrie aufnimmt, nicht aber die Nachfrage fördert. Denn was die deutsche Bundesregierung macht ist ein ideologischer Rettungsakt, der auch noch dilettantisch angepackt wird. Man versucht, ganz nach der neoliberalen Politik von Milton Friedman, die Angebotsseite zu stärken, indem man frisches Geld in die Unternehmen pumpt um dann zu hoffen, dass dieses Geld dann dazu genutzt wird Investitionen zu tätigen. Dass dies aber nicht funktioniert hat die Notstandspolitik von 1929 nur zu gut gezeigt. Indes müsste vielmehr in die Nachfrageseite investiert werden. Ganz nach John M. Keynes müsste Deutschland, im Bunde mit den anderen Industriestaaten in die Sicherungssysteme und die privaten Haushalte (z.B. durch Steuersenkungen oder Konsumschecks), ganz antizyklisch investieren. Jedoch kommt bspw. eine Erhöhung des Harz IV Regelsatzes auf 420€ für die Bundesregierung erst gar nicht auf die Tagesordnung, obwohl es ökonomisch sehr sinnvoll wäre. Aber es ist wahrscheinlich in den letzten Jahren normal geworden, die unteren Schichten auszugrenzen.

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Ein Kommentar

  1. pitchu:

    ne ey, nich hier auch noch…

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